Zwei neue Deckhengste in Österreich

For Pleasure As und Attrape Moi angekört

Vor dem Renntag am 10. Dezember im Trabrennpark Krieau fand eine Deckhengstekörung statt. Zwei Hengste wurden angekört. Klein, aber fein, könnte man sagen. Aber es steckt einiges mehr dahinter.

Angekört wurden einerseits der 8-jährige deutsche Hengst For Pleasure As, als auch der 10-jährige holländische Hengst Attrape Moi. Wir wollen die beiden Hengste näher vorstellen.

For Pleasure As 2014 05 252

For Pleasure As
Foto: Gerard Forni

For Pleasure As (Abano As – Frill Aas – Pine Chip), über den wir 2014 schon einmal ausführlich berichtet hatten (Artikel hier), steht nunmehr in alleinigem Besitz von Walter Bauer. Er hat rund 160.000 Euro gewonnen und einen Rekord von 1:09,7, was ihn zum zweitschnellsten deutschen Traber aller Zeiten macht (nach Classic Grand Cru 1:09,6). Er stammt aus der weltbesten (amerikanischen) Mutterlinien, jener der Medio (geboren 1887). Walter Bauer meinte, dass er einige seiner eigenen Stuten mit ihm bedecken wird, für die Öffentlichkeit ist eine moderate Decktaxe angedacht.
For Pleasure As wurde von Alwin Schockemöhle gezüchtet und auf der Berliner Derby-Auktion um 9.000 Euro verkauft. Frill Aas gehört zur Stutenherde von Österreichs Züchterchampion KR Johann Hochstaffl und dessen Stall Venus, ihr bislang letzter Nachkomme ist eine Stute von Light Kronos namens Dorien Venus, geboren 2016.

Nachkommen Abano As
Erfolge Mutterlinie Medio

Attrape Moi 2017 07 16

Attrape Moi
www.pferderennfoto.at

Attrape Moi, 1:11,6 – rund 140.000 Euro Gewinne, wurde von Johann Lichtenwörther gemeinsam mit Fast Moi (für den Stall Tiefenbach) aus den Niederlanden für Daniela Sykora angekauft, deren Gatte Ing. Peter Sykora den Hengst in den Rennen fährt. Während bei For Pleasure As unseres Erachtens die Mutterlinie die erste Geige spielt, so ist Attrape Moi ein Nachkomme einer Vaterlinie, die eine unglaubliche Renaissance erlebt. Und zwar jene von McKinney*, dessen Linie in den USA längst ausgestorben ist, allerdings in Europa dank des Hengstes Orlando Vici wieder erstarkt ist. Attrape Moi stammt aus der Mutterlinie der Amerikanerin Ab (geboren in den 1860er-Jahren), die genauso gut Traber wie auch Pacer (Stichwort Always B Miki, schnellstes Harness Horse aller Zeiten) vererbt.
Daniela Sykora sagte uns, dass Attrape Moi für die Saison 2018 noch einmal antrainiert und somit in der nächsten Saison nur ausgewählte Stuten decken wird, 2019 soll es dann aber richtig losgehen.

Nachkommen Orlando Vici
Erfolge Mutterlinie Ab

*Wir erinnern uns: Im ausgehenden 19. Jahrhundert kam die amerikanische Traberzucht so richtig in Fahrt. Es gab ein Quartett an vererbungsstarken Hengsten, die jeweils eine eigene Vaterlinie gründeten: Axworthy (*1892), Bingen (*1893), McKinney (*1887) und Peter The Great (*1895), die allesamt direkt auf Hambletonian, den Stammvater der meisten Traber weltweit, zurückführen. Als erste von diesen verabschiedete sich die Linie von Bingen, überlieferterweise vor allem wegen Rufmordes an dem Hengst von einigen Gestüten. McKinneys Linie hatte in Nordamerika auch keinen recht langen Bestand, allerdings hatte seine Linie durch seinen Enkel The Great McKinney, der 1931 nach Frankreich verkauft wurde und schon in seinem ersten Jahrgang mit der legendären Uranie den Zuchtgiganten Kairos zeugte, enormen Einfluss auf die französische Traberzucht. The Great McKinney brachte neben Kairos, dessen Linie heute in Frankreich praktisch nicht mehr existent ist, auch den Hengst Ogaden, dessen Zweig zum 1992 geborenen Quadrophenio führt, der zu einem ausgezeichneten Stallion wurde (Nachkommen). Er zeugte neben Orlando Vici auch Traber wie Qwerty und Robert Keeper, sein Sohn Caballio In Blue wurde Vater von Kesaco Phedo, Sieger im Prix d’Amérique 2004.

Die Linie von Axworthy kann als tragisch angesehen werden, war sie doch die dominierende in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Speerspitzen wie dem legendären Greyhound, aber auch Hundertschaften anderer illustrer Traber, deren Blut auch in die Welt hinausgetragen wurde (z.B. Pay Dirt in Dänemark, Marengo Hanover in Italien, Lucky Hanover in Deutschland oder Proven Freight in Österreich). In der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. bis dato dünnte sich die Linie (praktisch nur mehr über den Zweig von Florican – Songcan – Nearly Perfect – Sierra Kosmos) dermaßen aus, dass sie heute praktisch tot ist. Da hatten nämlich schon die Nachkommen von Peter The Great das Ruder übernommen, auf den heute alle wichtigen Linien zurückführen. Er zeugte einerseits Peter Volo, Vater von Volomite, Ausgangspunkt der Linie von Star´s Pride (weiterführend von Super Bowl und Nevele Pride bis heute zu Credit Winner bzw. Kadabra) und Victory Song (Balanced Image, Mack Lobell, heute Andover/Conway Hall); zudem zeugte Peter The Great weiters Peter Scott, Vater von Scotland, Ausgangspunkt der Linie von Speedy Crown (weiterführend von Speedy Somolli bzw. Valley Victory bis heute zu Muscle Hill).


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© Nikolaus Matzka 2013–2018