Wotan Casei und seine Abstammung

Der überlegene Derby- und St.-Leger-Sieger im Pedigree

Wotan Casei 2017 06 25

Wotan Casei und Gerhard Mayr beim fulminanten Derbysieg am 25. Juni in Wien   www.pferderennfoto.at

An unseren zuletzt publizierten Artikel über die Zuchtlinien der österreichischen Derby-Teilnehmer 2017 anschließend, wollen wir uns diesmal mit der Herkunft eines der überlegendsten Derbysiegers in der jüngeren Derbygeschichte Österreichs beschäftigen.

Wotan Casei

Pedigree Wotan Casei
www.pedigreematching.com

Beginnen wir sogleich mit dem Pedigree von Wotan Casei. Auf den ersten Blick springt sofort ein 3x4-Linebreeding auf den italienischen Zuchtgiganten Sharif di Iesolo ins Auge, unserer Ansicht nach ein wichtiges Indiz zum riesigen Erfolg dieses Pferdes. Selbstverständlich vertreten sind aber auch die Zuchtgiganten Super Bowl (4x4) und Speedy Crown (4x5), durchaus interessant aber auch ein 5x5 auf Hickory Smoke durch Marengo Hanover bzw. Proven Freight.

Eine Mutterlinie stets am seidenen Faden

Ethelwyn

Wie ein Krimi liest sich die Geschichte der Mutterlinie von Wotan Casei, die nicht nur einmal am sprichwörtlichen seidenen Faden mit nur einer Stute in der Nachkommenschaft der vorherigen Mutter hing. Prinzipiell ist es die amerikanische Mutterlinie der 1796 geborenen Galopperstute Jane Hunt (sie wird deswegen als Gründungsstute geführt, da zwei ihrer Töchter Ahnen von Standardbreds sind, während dies bei ihrer Mutter Hunts Moll nicht der Fall ist), eine der ältesten Linien der Zucht, später gleichermaßen erfolgreich bei Trabern wie Pacern. In dieser Mutterlinie finden sich zahlreiche frühe Superstars des amerikanischen Harness-Sports, so etwa die legendäre, 1882 geborene Ethelwyn bzw. ihre Tochter Extasy (*1896), deren 2-Jährigen-Pacer-Rekord für 29 Jahre hielt und die ein frühes Beispiel eines „double gaited horse” war; sie startete sowohl in der Pacer- als auch in der Traber-Abteilung des Kentucky Futurity im Jahr 1899.

Für Österreich wird diese Mutterlinie (Wotan Casei führt übrigens nicht auf Ethelwyn/Extasy zurück) mit der 1913 geborenen amerikanischen Stute Virginia Humbug interessant. Nachdem sie in ihrer Heimat Fohlen gebracht hatte, wurde sie 1931 trächtig von Arion Guy nach Österreich exportiert, wo sie ein Jahr später, 19-jährig, die äußerst schnelle Stute Bimbo brachte. Über deren Tochter Dolde (*1938, v. Vansandt) bzw. deren Tochter Rosengartlerin (*1947, v. Cifra), gelangte wiederum deren Tochter Rosina (*1968, v. Insigne) in das Gestüt des Wiener Trabrennvereins Schönfeld, womit nun auch im österreichischen Zweig dieser Mutterlinie die moderne Traberzucht einsetzte. Rosina brachte 1973 nach dem Star´s-Pride-Sohn Armbro Duke die Stute Schnucki, diese wiederum 1977 nach dem Speedy-Scot-Sohn Burning Speed die Stute Speed Sendy. Ab hier wollen wir den Zweig mit ausgewählten Nachkommen grafisch darstellen:

Spadille

Die Proven-Freight-Tochter Spadille und Josef Sparber 1992
in München-Daglfing.
Foto: Nikolaus Matzka

Speed Sendy (AT) 1:20,9 – 8.612 EUR (St. v. Burning Speed)   
      1985 Spadille (DE) 1:14,3 – 182.944 EUR (St. v. Proven Freight)     
            1994 Spadilla Casei (DE) 1:14,6 – 63.180 EUR (St. v. Icard Di Casei)         
                  2003 Tosca Casei (DE) 1:14,2 – 19.751 EUR (St. v. Toss Out)           
                        2013 Wotan Casei (AT) 1:14,8 – 49.710 EUR (H. v. Alesi OM)         
                  2005 Shetan Casei (AT) 1:15,3 – 28.355 EUR (H. v. Strictly Business)
                  2006 Pasha Casei (AT) 1:14,7 – 39.730 EUR (H. v. Strictly Business)
                  2007 Flamenco Casei (AT) 1:15,5 – 25.297 EUR (H. v. Strictly Business)
                  2013 Romina Casei (AT) 1:17,1 – 3.807 EUR (St. v. Alesi OM)   
      1988 Speed Skyline W (AT) 1:18,2 – 35.443 EUR (St. v. Moonstruck)   
      1993 El Primero (AT) 1:15,9 – 33.619 EUR (H. v. Meadow Nevele)

El Primero 1995

El Primero und Wolfgang Ruth
im Jahr 1995 in der Wiener Krieau
Foto: Nikolaus Matzka

Die großartige Rennstute Spadille wäre einen eigenen Artikel wert, so abenteuerlich liest sich ihre Geschichte. Wir lassen hier ihren (Mit-)Besitzer Sebastian Huber persönlich zu Wort kommen: „Spadille wurde von meinem langjährigen Freund Michael Mitterer gezüchtet, der sie 2-jährig zu Rudi Haller gab. Dieser sagte, dass die Stute zwar enorm schnell sei, sich aber im Stall vehement gegen das Gebiss wehrt, sie steigt oder legt sich nieder. Mitterer sagte zu mir, dass er die Stute nicht mehr sehen will und sie zum Schlachter geben wolle, ich könne sie aber auch geschenkt bekommen. Ich beschäftigte mich einige Zeit mit ihr und gab sie dann zu Josef Sparber ins Training. Dort machte sie dieselben Mätzchen, bis wir endlich draufkamen, dass eine Hälfte ihres Gebisses schwer entzunden war und sie enorme Schmerzen haben musste, wenn sie eingespannt wurde. Nun konnten wir endlich die Sache behandeln und schon zweijährig war Spadille – ich konnte Michael Mitterer doch noch überreden, Mitbesitzer zu bleiben – eine Top-Rennstute, mir wurden für sie damalige 20.000 DM geboten, vor ihrer 3-Jährigensaison gar 50.000 DM, was ich allerdings ablehnte, da ich ihr enormes Potential erkannte. Ich sollte mich nicht irren, auch wenn es wieder einige Zeit dauerte. Nach einer Verletzung dreijährig wurde Spadille zwei Jahre später letztlich zu einem Top-Rennpferd, gewann in einer Saison nicht weniger als 24 Rennen und wurde zum „Pferd des Jahres” in München-Daglfing gewählt. In Österreich ist Spadille noch gut in Erinnerung dank heroischer Schlachten vor allem mit Stall Gasselseders Speed Sailing, sie gewann u.a. die Badener Meile des Jahres 1991.”

Spadille war der gewinnreichste und auch schnellste Nachkomme des in Schönfeld deckenden Zucht-Phänomens Proven Freight, aber deutsch registriert. Sie brachte nur zwei Nachkommen, 1994 Spadilla Casei bzw. 1995 Queen Icard, bevor sie bei der Geburt Zweiterer viel zu früh einging, dem Fohlen war auch kein langes Leben beschieden. Womit wir abermals beim „seidenen Faden” sind. Spadilla Casei war der einzige weitergabefähige Nachfahre von Spadille, sie brachte in Deutschland Tosca Casei, die Mutter von Wotan Casei, die außer dem Derbysieger nur einen Nachkommen hinterließ – den augenblicklich zweijährigen Jeronymo Casei v. Alesi OM – und mittlerweile ebenfalls einging. Tosca Casei hatte außerdem ein fantastisch aussehendes Stutfohlen von Alesi OM, dieses wurde leider vom ausschlagenden Shetan Casei schwer getroffen und verblutete. Spadilla Casei brachte hingegen einige Fohlen, von denen aber eben nur die 2013 geborene Romina Casei eine Stute ist, auf ihr ruhen nun alle weiteren züchterischen Hoffnungen dieser fantastischen Linie. Sebastian Huber meint zu Romina Casei, dass diese im Training ein enorm schnelles Pferd sei, auf der Rennbahn bislang leider aber sehr ängstlich agiere. Dennoch könnte sie ihrem rechten Bruder Wotan Casei einen Derbysieg im kürzlich stattfindenden Stuten-Derby in Baden nachmachen...

Alesi OM_2012_03_1

Alesi OM nach seiner Ankunft
in Österreich im Jahr 2012
Foto: Nikolaus Matzka

Die Vaterpferde: Italien, wohin man blickt

Sebastian Huber führte Spadille dem in der Nähe deckenden Sharif-di-Iesolo-Sohn Icard di Casei zu, deren Tochter Spadilla Casei dem fantastischen Dauerbrenner Toss Out, die daraus resultierende Tosca Casei aufgrund der damaligen Riesenerfolge von Trabern wie Alegro oder Shali´s Alesi schließlich dem gerade aktuell nach Österreich importierten Alesi OM, aus dessen erstem großen österreichischen Jahrgang (17 Fohlen) Wotan Casei stammt.




2017_07 (alle Rekorde per 14.7.)


© Nikolaus Matzka 2013–2017