Banks – Ein Bankencrash der besonderen Art

Erster Traber in Deutschland unter 1:10 – Ein Blick auf eine interessante Mutterlinie

Am 15. Juni 2014 gab es im Bild-Pokal in Hamburg-Bahrenfeld eine Sternstunde des deutschen Trabrennsports, der fünfjährige Wallach Banks trabte mit einer Zeit von 1:09,9 über 1680 Meter die erste Zeit in Deutschland unter 1:10 und stellte damit natürlich auch neuen Bahnrekord auf. Auf die Historie des Pferdes selbst wollen wir in diesem Artikel nicht mehr näher eingehen, dies haben unsere deutschen Kollegen von www.trabtipp.de und www.traber-news.com in gewohnt vorzüglicher Form bereits vorgenommen.

Uns interessiert hier die Abstammung des neuen Rekordhalters. Wir sprechen auf der Vaterseite abermals von Abano As, der sich immer mehr anschickt, Highlights zu setzen und mittlerweile sicherlich als Top-Vererber zu einem vernünftigen Deckgeld gilt. Wir erinnern an unseren kürzlich erschienenen Artikel über For Pleasure As, dem gleichaltrigen deutschen Fünfjährigen-Rekordhalter aus österreichischem Besitz.

Banks

Pedigree Banks   www.thebloddbank.info

Eine ganz spezielle Wundertüte scheint die Mutterlinie von Banks zu sein. Von unseren Kollegen von www.bluechipfamilies.com an 46. Stelle der US-Mutterlinien gereiht, erscheint diese Linie auf den ersten Blick etwas exotisch, doch mit absoluten punktuellen Höhepunkten ausgestattet. Es ist dies die Mutterlinie der im Jahr 1859 geborenen Fanny Mapes, einer Tochter des Hambletonian(10)-Sohnes Abdallah(15) aus einer Stute eines Galopperhengstes. Wie viele nordamerikanische Mutterlinien, verstreute sich auch diese im Laufe der Jahrzehnte bzw. mittlerweile Jahrhunderte über sämtliche Traberkontinente, wir wollen die Höhepunkte chronologisch anführen:

Im Jahr 1898 wurde die Stute Alice Mapes in den USA geboren, eine Enkelin der Gründungsstute Fanny Mapes. Sie gewann 1900 das von 1897 bis 1934 (mit einer Unterbrechung von 1903 bis 1928) ausgetragene Kentucky Futurity für zweijährige Traber und hatte über ihre Tochter Wynalot (*1906) und deren 1930 geborene Enkelin Melodie weiterführend Einfluss vor allem auf die skandinavische Traberzucht. Speerspitzen davon waren namentlich Ullvar (*1980, v. Masquerade), Ewing Turf (*1983, v. Noble Rouge) und Born Quick (*1987, v. Quick Pay).

FANTOM

Der neuseeländische Traberstar Fantom, geboren 1939
Foto dank freundlicher Hilfe von John Peck

Im Jahr 1916 wurde Molly Knight geboren, eine Nachfahrin in fünfter Generation von Fanny Mapes, ihre Linie brachte den einstigen dänischen Star Vokal N. (*1973, v. Pay Dirt).

STYLISH MONARCH

Stylish Moments (l.) ist einer der Traber Neuseelands, die Europa gerne einmal gesehen hätte...
Foto dank freundlicher Hilfe von John Peck

Über den 1911 geborenen US-Wallach Direct C Burnett, der sowohl im Trab als auch im Passgang ein Hero seiner Zeit war, geht es in dieser Mutterlinie direkt zu einem Phänomen, welches in Neuseeland beheimatet war und dort eine Euphorie für den noch jungen Sport auslöste. Die Rede ist von einem 1939 geborenen Hengst namens Fantom, dessen 1930 geborene Mutter Fantine den beschwerlichen Schiffsweg von Amerika nach Neuseeland antrat. Diese war eine in sechster Generation von Fanny Mapes abstammende Stute dieser Linie; Fantom holte sich zwischen 1943 und 1950 alles, was der neuseeländische Trabrennsport zu bieten hatte. Ein weiterer aus dieser Linie abstammende Superstar Neuseelands ist der Wallach Stylish Moments (v. Monarchy), geboren 2003 und Gewinner fast aller Großereignisse seiner Heimat in der jüngeren Vergangenheit. 

Weiter geht es mit Jamie, 1950 in den USA geboren, damals eine Lichtgestalt des dortigen und internationalen Trabrennsports. Der Darnley-Sohn war einer der ersten 100 Traber in Nordamerika, der über 100.000 Dollar gewann, war im Nachhinein gesehen wohl insgesamt eine Enttäuschung als Stallion, darf dennoch nicht vergessen werden als Vater von Gouvernor Armbro. Auch ist sein Blut bei Hengsten wie Diamond Way oder Pale Amber präsent, nicht zu verachten auch seine Leistung als Stutenvater etwa von Meadow Trish (v. Hickory Pride), Model Home (v. Homesick) und vor allem des Kentucky-Futurity-Siegers Power Seat (v. Arnie Almahurst).

1955 wurde in Schweden Locomite aus dieser Mutterlinie geboren, ein Superstar seiner Zeit, Gewinner des Dreijährigen-Kriteriums und des Derbys, als Deckhengst leider eine Nullnummer.

Über den aus anderen Zweigen dieser Linie stammenden Schweden Rebur (*1981, v. Tibur) geht es weiter zu einer Stute namens Image of Beauty (*1989, v. Balanced Image), ein hervorragendes Zuchttier. Ihre Nachkommen wie der italienische Derbysieger Avril, der von Gerhard Mayr in Österreich und Deutschland stets blendend vorgetragene Isle of Man, sowie die tollen, in Norwegen eingesetzten Mavril Sas und Nonstop Sas (allesamt von Diamond Way) bestätigen dies ebenso wie der deutsche Hengst Impact As (v. Pablo Mo) oder ihre Tochter Brisana, die Mutter von Banks.

E.T.Diamant 2007 07 08

E.T. Diamant beim Sieg in der Badener Meile des Jahres 2007
www.pferderennfoto.at

In Finnland wird man sich aus dieser Linie an den Derbysieger von 2002, Don Giovanni (v. Lindy’s Crown), gerne erinnern. Auch in Schweden (Elitloppet-Starter Reven d’Amour v. Revenue), Italien (Sharon Gar v. Varenne), Deutschland (E.T. Diamant v. Strictly Business), Norwegen (Shorthanded Goal v. David Raymond) und Österreich (Makemefamous MS v. Look de Star) sind weitere Zuchtrennsieger zu sichten.

Das Sahnehäubchen dieser Mutterlinie kommt aber abermals aus Nordamerika. Neben dem starken Salutation Hanover (v. Andover Hall) haben zwei Traber enorme Gewinne aufzuweisen. Einerseits ABC Mercedes (v. ABC Garland) mit über einer Million US$, andererseits der 2000 geborene, absolute Geldschrank JM Vangogh (v. Earl) mit fast zwei Millionen Dollar an Rennpreisen.

Makemefamous MS 2012 04 09

Makemefamous MS galten zu Beginn der österreichischen Derbysaison 2011 große Hoffnungen.
www.pferderennfoto.at

Intermezzo: Da im Pedigree von Banks einmal mehr auffällig, sei erwähnt, dass sich der erfolgreichste deutsche Deckhengst aller Zeiten, Diamond Way, sowohl als Mutterstutenvater als auch als Deckhengst (in seinem letzten Jahr) stark bemerkbar macht. Der neben Viking Kronos, Super Arnie und Supergill erfolgreichste in Europa gedeckt habende Nachfahre der Vaterlinie von Super Bowl ist neben Banks Stutenvater u.a. von Pascia’ Lest, Nelson November, Linda di Casei, Lobell Countess, Top of the Rocks, Zar As oder des österreichischen Derbysiegers Arnie’s Way AD. Apropos: Bei der jüngsten Auseinandersetzung österreichischer Dreijähriger im Magna Racino gewann der Diamond-Way-Sohn Othello Victory vor Mentor Venus, der eine Diamond-Way-Tochter als Stutenvater hat. Als nach wie vor einer der stärksten Vertreter des Jahrganges zählt Eliot Venus, ebenfalls aus dem letzten, 2011 geborenen Jahrgang von Diamond Way (der in Deutschland unglaubliche 75 Fohlen umfasst). Fürwahr, eine kapitale Ausbeute…

Abschließend sei gesagt: Bei aller Konsequenz, starke Traber aus der Mutterlinie der Fanny Mapes hervorheben zu wollen, soll diese in der Analyse keineswegs überbewertet werden – es liegt ganz offensichtlich eine erhebliche Streuung vor und keine Dichte wie bei den erfolgreichsten maternalen Linien der Welt. Dennoch, sollte man das Glück haben, einen starken Traber aus dieser Linie zu besitzen, kann es, wie man sieht, zu unglaublichen Ergebnissen kommen.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017