Napoli è tornato

Neapel ist zurück – Signal für einen Aufschwung im italienischen Trabrennsport?

Was für ein Comeback! Eine der traditionsreichsten italienischen Trabrennbahnen hat nach zwischenzeitlicher Schließung wieder geöffnet. Und das mit einem Wochenendprogramm, das sich mehr als sehen lassen konnte. Ein kleiner Blick auf die Historie sowie die Pedigrees der Sieger des Wochenendes.

Lotteria Agnano

Die Rennbahn von Agnano in Neapel war zu Lotteria-Zeiten stets ein Magnet für die Traberfans.   Foto zur Verfügung gestellt von Ettore Barbetta

Die Rennbahn in Agnano wurde 1935 eröffnet (damals schon kombiniert Galopper außen und Traber auf der Innenbahn), seitdem finden sich in der Siegerliste die größten Namen des Trabrennsports. Tatsächlich war der Gran Premio della Lotteria – nicht nur unseren italienischen Kollegen zufolge – neben dem Elitloppet und dem Prix d'Amérique über Jahrzehnte eine der wichtigsten europäischen Stationen der weltbesten Traber.

Lotteria Siegerliste

Siegerliste GP della Lotteria

Das letzte Meeting der Traber fand am 6. Dezember 2012 statt, nach wirtschaftlichen Problemen der vorhergegangenen Gesellschaft wurde aufgrund einer Initiative der Fortbestand der Rennbahn gesichert. Ippodromi Partenopei (www.ippodromipartenopei.it) inkludiert Pferdeleute wie die D'Angelo-Familie (Züchter und Besitzer der „Gar”-Traber sowie Besitzer der Rennbahn Garigliano in Santi Corsma e Damiano), Enzo Giordano, den Besitzer von Varenne, Antonio Somma (Scuderia Bivans) und einigen mehr, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Standort Neapel zu erhalten.

Die Rennbahn wurde also am 28. September 2013 wiedereröffnet, vorerst als Trabrennbahn, die Galopper benötigen noch Zeit. Am Wochenende des 5. und 6. Oktobers fand dann mit aller finanzieller Wucht das Comeback von Agnano statt, mit dem Höhepunkt Gran Premio della Lotteria um insgesamt 406.000 Euro. Der Name des Rennens resultierte übrigens aus einer Zusammenarbeit zwischen der Rennbahn mit einer nationalen Lotteriegesellschaft ab 1951 (bis 2006), die erste Auflage 1947 war sozusagen ein Vorab-Experiment.

VARENNE2

Varenne mit Giampaolo Minucchi und Besitzer Enzo Giordano
Foto: Gerard Forni

Der Reigen der hochdotierten Rennen begann am Samstag mit dem Gran Premio Citta di Napoli (154.000 Euro) für Dreijährige, in dem sich Remo Gas (Varenne – Isotto Gas – Toss Out) in 1:14,4 über 2140 Meter mit Roberto Vecchione durchsetzte und seine Anwartschaft auf das italienische Derby festigte. Das Rennen soll dem Vernehmen nach Anfang Dezember in Rom abgehalten werden. Während Remo Gas' Vater Varenne in Neapel höchstpersönlich anwesend war und ihm einmal mehr gehuldigt wurde, ist seine Mutterlinie, jene der Amerikanerin Constantine, die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren wurde, durchaus interessant. Praktisch nur in Italien Zuchtrennsieger produzierend, war ihr allererster europäischer Erfolg allerdings die österreichische Derbysiegerin des Jahres 1930, Alraune. Es folgten drei italienische Derbysieger (1931 Etrusco, 1956 Capriccio sowie 1977 Eskizapar), Remo Gas könnte der vierte werden.

PREMIO CAMPANIA PRUSSIA2

Prussia ist der Gegnerschaft hochüberlegen voraus
Foto: Gerard Forni

Der Sonntag startete mit dem Gran Premio Regione Campania (77.000 Euro) für Vierjährige, in dem auch der in österreichischem Besitz stehende Plutonio eingeschrieben war, aufgrund der Startnummer 8 jedoch wieder abgemeldet wurde und stattdessen in Vincennes einen tollen dritten Rang erlief. Gegen die mit enormer Überlegenheit siegreiche Prussia (Ken Warkentin – Elvezia – Pine Chip), die mit Pietro Gubellini in 1:11,3 über 2100 Meter die Konkurrenz zu Statisten degradierte, hätte es vermutlich aber ohnehin nichts zu bestellen gegeben. Bei Prussias Pedigree sieht man den Yankee-Glide-Sohn Ken Warkentin als Vater, der nunmehr in Schweden bei Broline erhältlich ist. Ihre Mutterlinie ist die klassische der Medio, allerdings läuft ihr Zweig nicht auf die berühmten Miss Bertha Hanover oder Hanover's Bertha zurück, sondern auf deren Vollschwester Charlotte Hanover. Prussia sollte im heurigen Pariser Wintermeeting ein ganz heißes Eisen für italienische Farben werden.

Mack Grace SM 2013 10 13

Mack Grace SM siegt locker gegenüber Commander Crowe, da muss auch Franck Nivard lächeln...
Foto: Gerard Forni

Der Höhepunkt war dann der GP della Lotteria mit vorerst drei Heats, in denen sich Oibambam Effe (Classic Photo, der ab 2014 in Schweden decken wird, – Etna Sec – Viking Kronos) als Außenseiter sowie die hochfavoriserten Mack Grace SM (CC's Chuckie T – Armbro Grace SM – Armbro Goal) bzw. Commander Crowe (Juliano Star – Somack – Mack Lobell) durchsetzten. Im Finale ließ der König der Heatfahren, Mack Grace SM, auch dem Schweden keine Chance und sicherte sich mit Roberto Andreghetti in 1:11,3 über 1600 Meter locker den Sieg vor Commander Crowe, Oibambam Effe sowie Linda di Casei (Uronometro – Comtesse Ferm – Diamond Way), während sich Owen's Club (Duke of York – Duse Tab – Sugarcane Hanover) den Trostlauf in Tagesbestzeit von 1:10,4 holte.

Mack Grace SM

Pedigree Mack Grace SM
www.thebloodbank.info

Mack Grace SM ist ein Sohn des ansonsten eigentlich nur durch den ebenfalls in Italien geborenen Negresco Milar aufgefallenen CC's Chuckie T (Malabar Man – Keystone Gild – Sierra Kosmos), stammt jedoch aus einer der produktivsten US-Mutterlinien, jener der Mambrino Beauty, auch bekannt als jene der Nervolo Belle. Aus der direkten Mutterlinie stammen etwa der Italiener Tabor Land SM (v. Park Avenue Joe) oder auch der nach Deutschland exportierte Copenhagen-Cup-Sieger Glass Hanover (v. Florida Pro). Die Erfolge dieser Mutterlinie aufzuzählen würde den Platz sprengen, allein im heurigen Jahr blieben Pferde wie Indigious (v. Prodigious), Orechietti, Davy Boko (beide v. From Above), Orleans OM (v. S J's Caviar), Fascination (v. Super Arnie) oder eben Mack Grace SM in Europa auf höchster Ebene siegreich, in den USA gesellten sich ebenfalls einige Stakes-Sieger hinzu.

Der achtjährige Mack Grace SM hat mit dem Sieg in Neapel die Millionen-Euro-Gewinngrenze geknackt und ist für weitere Aufgaben bereit. In Heatfahren scheint der Hengst ohnehin kaum zu schlagen.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017