Texas Charm

Da pirscht sich jemand in Richtung Prix d'Amérique 2014 heran!

In unserem Artikel über Timoko und The Best Madrik ist Texas Charm sozusagen im zweiten Glied dieses französischen Jahrgangs genannt worden. Nun schiebt sich der Cygnus-d'Odyssee-Sohn aber schon vehement in den Vordergrund, zuletzt gipfelnd in einem überragenden Erfolg in Vincennes am 31. Mai, als er im Prix Chambon P (120.000 EUR) nach einem unglaublichen Gang durch dritte Spuren die äußerst starke Konkurrenz zu Statisten degradierte. In 1:13,2 über 2850 Meter ließ ihn Julien Dubois schließlich vor Reve de Beylev und Quinoa du Gers austrudeln.

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Texas Charm bei seinem überlegenen Erfolg mit Julien Dubois am 31. Mai in Vincennes. Foto: Gerard Forni

Texas Charm stellt sich somit sowohl als Rennpferd wie auch als zukünftiger Deckhengst äußerst hoffnungsvoll dar. Die Rennkarriere überlassen wir der Familie Dubois und sehen uns die Blutlinien des neuen „T”-Stars an.

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Was fällt auf? Einmal mehr ein franko-amerikanischer Traber moderner Zuchtmethode, bei der Coktail Jet stets eine Rolle spielt, diesmal als Muttervater. Vatertier ist Cygnus d'Odyssee, Gewinner des Critérium des 4 ans und ein nachhaltiger Vererber, dessen absoluter Star der kapitale Jardy mit über zwei Millionen EUR an Gewinnen war, selbst schon Vater der Ausnahmestute Vanika du Ruel. Weitere namhafte Nachkommen von Cygnus d'Odyssee sind Ideal de L'Iton, Leda d'Occagnes, Ludo de Castelle sowie Thorens Vedaquais, allesamt mit klar über einer halben Million EUR an Gewinnen.

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1995: Erstes Deckinserat von Cygnus d'Odyssee
im „Annuaire des Etalons Trotteurs”

Interessant am Pedigree des „Trotteur Francais” Texas Charm ist sicherlich die Tatsache, dass sowohl sein Vater als auch seine Mutter einer amerikanischen Mutterlinie entstammen. Cygnus d'Odyssee jener der Kate (by Conflagration), die noch Pferde wie Prodigious oder die schwedische Stute Vincennes brachte, Kamela Charm jener der Laura Logan. Beide Mutterlinien sind jedoch hauptsächlich in Europa verbreitet, in den USA sucht man vergeblich nach Stakes-Siegern. Und dann gibt es in dieser Mutterlinie einen exotischen Touch mit einem Pferd namens Johnny Globe, geboren 1947 in Neuseeland, das eine eigene Story wert wäre. Die maternale Linie der Laura Logan brachte jedenfalls neben Texas Charm ungezählte Stars vor allem des französischen Trabrennsports wie Roxane Griff, Un Mec d'Heripré, The Lovely Gwen, Opus Viervil, Joyau d'Amour oder in früheren Zeiten dem oftmaligen Stallion-Champion Jiosco bzw. Cedre du Vivier, Hadol du Vivier, Fakir du Vivier, Jet du Vivier, wobei man bei letzteren gut erkennen kann, dass die oftmals als klassisch französisch apostrophierte Linie der Ua Uka amerikanischen Ursprungs ist. In der 1937 in Frankreich geborenen Priola gibt es aus dieser Linie auch einen absoluten Star des frühen niederländischen Trabrennsports.

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Johnny Globe, absoluter Starpacer aus Neuseeland, Weltrekordler, nachhaltiger Deckhengst. Als er 1956 seine Rennkarriere beendete,
war er gewinnreichstes Rennpferd Neuseelands in allen Kategorien (Traber, Pacer & Galopper).  
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von John Peck.

In Texas Charms Pedigree sieht man zu über 55% US-Blut, welches sich abgesehen von den Ursprüngen hauptsächlich durch den Input der letzten Jahrzehnte dank Einzucht von Hengsten wie Granit (58% US-Blut), Coktail Jet (64%) oder Cygnus d'Odyssee (57%) zusammensetzt.

Und es wäre nicht die Familie Dubois, hätte man Texas Charm nicht schon zur Weiterzucht eingesetzt. Schon 2011 bezog er erstmals den Deckstand, 32 Franzosen des „C”-Jahrgangs (also eine alphabetische Generation nach seinem Vater Cygnus d'Odysse) sind registriert, nunmehr im Jährlingsalter. Hierbei ergeben sich Pedigrees mit erheblichem Anteil von US-Blut, wie etwa dieses: Pedigree Capitaine Kerdu
Man kann es drehen und wenden wie man will: Das amerikanische Blut gewinnt immer mehr Einfluss im modernen „Trotteur Francais”.

Die großen Erfolge der Mutterlinie von Texas Charm wurden bereits aufgezählt, abschließend noch ein Blick auf die unmittelbare Verwandtschaft. Seine Mutter Kamela Charm (*1998) war mit einem Rekord von 1:13,1 und Gewinnen von 175.430 EUR ein starkes Rennpferd. Texas Charm war ihr zweiter Nachkomme, davor brachte sie die Stute Story Charm 1:15,8 (ebenfalls v. Cygnus d'Odyssee), danach die Stuten Union Francaise 1:14,8 sowie die 2012 geborene Camela Charm (beide nach Password). Die zweite Mutter Dacelle, 1991 geboren und rekordlos, hat 11 Nachkommen, nur zwei davon Stuten, diese aber mit den klar besten Rennleistungen in der Produktion ihrer Mutter. Die zweite neben Kamela Charm ist die 2003 geborene Pearl of Charm (1:13,8 – 130.970 EUR), eine Tochter von Goetmals Wood. Ihr noch junger Nachwuchs besteht bislang aus einer heuer dreijährigen Stute nach Rocklyn, 2011 wurde ein Hengst von Password geboren.


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© Nikolaus Matzka 2013–2018