Plutonio – ein Euro-Crack für Österreich?

Starker Auftritt in Paris-Vincennes – Blutlinien eines zukünftigen Deckhengstes 

PRIX BOEMIA BAZIRE

Urgos (1) gewinnt mit Jean-Michel Bazire gegen Uprince (Eric Raffin/14) und Plutonio (Frank Ouvrie/13).   Foto: Gerard Forni


Der österreichische Trabertrainer Wolfgang Ruth, seit fünf Jahren in Italien tätig, sowie die vier Besitzer von Plutonio des Stalles Kayando, hatten es mit dem vierjährigen Italiener nicht immer einfach. Auf Leistungen, die zu größter Hoffnung Anlass gaben, folgte so manches Wellental der Gefühle. Wir drehen das Red der Zeit um zwei Jahre zurück: Nachdem Ruth den Self-Possessed-Sohn am 7. Juli 2011 in Italien in 1:18,2 qualifiziert hatte, war seine erste Station am 4. September München-Daglfing. Da gewann er mit Antonio Greppi den Jugend-Preis in sagenhaften 1:14,4 über die Meilendistanz in drückender Überlegenheit vor Dream Magic BE sowie Peter Pan Diamant und heimste die ersten 12.500 Euro an Preisgeldern ein.

Was dann folgte, war vor allem große Erwartung. Hoffnung auf einen Gruppe-I-Sieg in Italien, der Plutonio automatisch als Deckhengst qualifiziert hätte. Oder auch die Hoffnung auf den Derbysieg 2012, warum auch nicht.

Gekommen ist alles anders. Wenngleich „Pluto”, wie er von seinen Besitzern liebevoll genannt wird, mittlerweile die 100.000-Euro-Gewinnsumme überschritten hat, so tat er sich vor allem mit dem Gewinnen doch recht schwer. Bei 39 Starts konnte er 6 Mal auf die Siegerparade gehen, kein optimaler Prozentsatz für ein Pferd seines Könnens. Aber da ist natürlich ein Blick auf den italienischen P-Jahrgang von 2009 angebracht, der nach Ansicht des Autors einer der stärksten der letzten Jahre ist. Angefangen vom vor allem dreijährig allmächtigen Derbysieger Pascia' Lest, der heuer zwar noch die Vierjährigen-Elite in Solvalla in 1:10,4 für sich entschied, sich aber spätestens nach dem dritten Platz im Gran Premio d'Europa Ende Juni verletzungsbedingt abmeldete und nun in Grobois auf neue Aufgaben vorbereitet wird.

Dieser dritte Rang zeigte dann auch deutlich, wie stark der Jahrgang ist. Während Plutonio in diesem Bewerb Sechster wurde und genau kein Geld mehr sah, siegte Princess Grif vor Pitagora Bi. Leer ging in diesem Rennen Probo OP aus, der zuvor schon einige Male Pascia' Lest das Fürchten gelehrt hatte. Und dann gibt es da noch Pferde wie Perkins Grif oder den extrem heiklen Painting Wise, die jederzeit ganz vorne mitmischen können. Nicht zu vergessen die zuletzt so enorm aufgeigende Prussia, augenblicklich vielleicht sogar das stärkste Pferd in diesem Jahrgang.

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Pedigree Plutonio
www.thebloodbank.info

Schwer also, gegen die genannten Pferde zu reüssieren. Doch man kann ihnen ja doch ausweichen, und das tat man mit Plutonio. Dann traten aber immer gewisse Probleme auf, waren es eine doch deutliche Abhängigkeit vom Rennverlauf, oder auch die Neigung des Hengstes zu starkem Pullen. Wolfgang Ruth war schließlich am Ende seines Lateins und überstellte Plutonio zu Ove Kristoffersson, der zu dieser Zeit auf Allevamenti Toniatti sein Trainingsquartier aufgeschlagen hatte. Der Schwede bekam dieses Problem zwar gut in den Griff, brach aber kurz darauf seine Zelte in Italien aufgrund der bekannten Misere ab und übersiedelte zu seinem Bruder nach Frankreich. Nun war Plutonio zurück bei Wolfgang Ruth und schien tatsächlich sein Nervenkostüm besser unter Kontrolle zu haben.

Ein offensichtlicher Schritt nach vorne ereignete sich dann am 11. Oktober. Ruth hatte den Hengst sowohl in Neapel im Gran Premio Regione Campania (77.000 Euro) als auch in Paris-Vincennes im Prix Bohémia (85.000 Euro) eingeschrieben, aus ersterem aufgrund der ungünstigen Startnummer 8 jedoch wieder gestrichen. In Paris zeigte Plutonio mit Formfahrer Frank Ouvrie, dass ihm das Geläuf am Plateau de Gravelle sehr liegt und war in diesem Vergleich der Vier- und Fünfjährigen als Dritter mit Abstand der beste unter den Jüngeren. Vor ihm musste er nur die um ein Jahr älteren Urgos und Uprince vor sich anerkennen – wobei es um den Ehrenplatz sehr knapp herging –, auch die zwei dahinter einlangenden Franzosen waren fünfjährig.

Indro Park

Indro Park
Aus dem Buch: La grande traditione Orsi Mangelli

Lotar Bi 2012 10 28

Hunyady-Sieger Lotar Bi
www.pferderennfoto.at

Was prädestiniert Plutonio zu einem Deckhengst, wie in unserer Unterzeile erwähnt, und so seine weitere Rennkarriere positiv verläuft? Unseres Erachtens bringt der Hengst alle Voraussetzungen mit. Sein Vater, Hambletonian-Sieger Self Possessed, hat sich als großartiger Vererber hervorgetan, gipfelnd in Pferden wie Cantab Hall, Armbro Chronicle, Grain Of Truth, Possess The Magic, Self Professed, Snow White (allesamt Gewinner von über 1 Million US-Dollar), Yankee Slide, Glamour Effe, Pitagora Bi, Please Poppy oder Global Journey. Deckanzeige Self Possessed

Man kann durchaus sagen, dass Self Possessed einen eigenen Zweig der Valley-Victory-Linie gegründet hat, der nun über seinen Spitzensohn Cantab Hall sowie auch schon dessen Söhnen wie etwa Explosive Matter weitergeführt wird.

Die Mutterseite von Plutonio ist eine wahre Schatztruhe, die vor allem in Frankreich und Italien immer wieder Wunderpferde gezaubert hat. Es ist jene der 1888 in Frankreich geborenen Stute Sans Tache, die in Frankreich allerdings erst ab den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf höchster Ebene zu vererben begann. Dann kam es aber knüppeldick mit Trabern bzw. Deckhengsten wie Full Account (v. Passionant), Gai Brillant (v. Podosis), One du Rib (v. First de Retz), Rolling d'Heripre (v. Dahir de Prelong), Union d'Urzy (v. Coktail Jet) und Proud Wood (v. Goetmals Wood), gipfelnd im heurigen Prix d'Amérique-Sieger Royal Dream (v. Love You).

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Prix d’Amérique-Sieger
Royal Dream
Foto: Gerard Forni


In Italien ist diese Linie vor allem als jene der legendären, leider nicht mehr existenten Zuchtstätte des Grafen Orsi Mangelli bekannt, zurückgehend auf die 1954 geborene Französin Joute de la Roucquetiere, die in Italien mit Mighty Ned als Partner die Stute Recca zeugte. Diese wurde von Marengo Hanover gedeckt und brachte die Stute Fontola, spätestens von dieser ging dann ein wahrer Siegeszug durch Italien mit Pferden wie Indro Park (v. Sharif di Iesolo), Fidji Bi (v. Lemon Dra), Elpaso Bi, Pershing Bi oder auch Hunyady-Sieger Lotar Bi (alle v. Toss Out), um nur die Sieger auf höchster Ebene zu benennen.

Ein Blick noch auf den Muttervater Toss Out. Der in allen Belangen überzeugende Supergill-Sohn machte sich durchaus auch schon als Muttervater bemerkbar, interessanterweise vor allem in Nordamerika durch die Weltrekordstute Check Me Out (v. Donato Hanover) 1:09,2 – 1,9 Mio. US$, aber auch durch den diesjährigen italienischen Derbyfavoriten Remo Gas (v. Varenne).

Welche sind die nächsten Planungen für Plutonio? Mitbesitzer Robert Herbacek teilt mit, dass nach dem letzten starken Auftritt geplant ist, mit dem Hengst Rennen im Pariser Wintermeeting zu bestreiten und ihn nach Grobois entweder zu Jorgen Westholm oder zu Ove Kristoffersson ins Training zu stellen. Davor wird ihm Wolfgang Ruth einen Start am Orsi-Mangelli-Tag, diesmal abgehalten in Turin, geben. Anfang und Mitte November gibt es Startmöglichkeiten in Frankreich.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017