Derbysiegerin Pompano Crown

Ihr tragisches Ende – Die Fortsetzung der Linie

Werner Ausserhofer war Autorennfahrer. Als solcher kennt er Höhen und Tiefen des Sports sehr genau. Im Jahr 2008 war er auf dem Höhepunkt aus pferdesportlicher Sicht, seine von ihm selbst gezogene Stute Pompano Crown gewann das Österreichische Traber-Derby mit Conrad Lugauer in überlegener Manier. Fünf Jahre später nun der absolute Tiefpunkt. Ausserhofer erhielt einen Anruf von Tuomas Korvenoas Gestüt in der Normandie. Pompano Crown ist eingegangen – plötzlicher Herztod auf der Koppel.

Eine Katastrophe für den passionierten Züchter. Seine traberzüchterischen Zukunftspläne lösten sich in einem kurzen Moment buchstäblich in Luft auf, Werner Ausserhofer wird dem Trabrennsport für immer Adieu sagen und sich vom gesamten hinterbliebenen Pferdematerial trennen. Bousuki, die Mutter der Derbysiegerin, ist 22 Jahre alt und Ausserhofer hatte all seine Zuchtperspektiven in Pompano Crown gesetzt.

Pompano Crown 2008 06 01 1

Pompano Crown und Conrad Lugauer gewannen das Österreichische Traber-Derby des Jahres 2008 in damaliger Rennrekordmarke
von 1:16,0 über 2300 Meter.   
Foto: www.pferderennfoto.at

Glück im Unglück: Pompano Crown hinterließ bei ihrem Tod ein blendend aussehendes Hengstfohlen nach dem Prix d'Amérique-Sieger Offshore Dream, dieses wurde von einer „Amme” angenommen und kann kräftig aufwachsen. Pompano Crown wurde nach der Geburt dieses Fohlens von Prodigious gedeckt, exakt eine Woche später ging sie ein... Diese Mutterlinie wurde also in der aktuellsten Generation aprupt unterbrochen, nun liegt es also an Pompano Crowns Halbschwestern, die Linie aufrecht zu erhalten.

Dazu aber ein Blick zurück über Jahrzehnte. Werner Ausserhofers Interesse am Trabrennsport reicht bis in die siebziger Jahre des verwichenen Jahrhunderts zurück, kein Geringerer als der heutige Elitlopp-Manager Klaus Koch, gebürtiger Däne, vermittelte ihm die 1977 geborene, dänische Stute Dizella, damals im Traditionsgestüt Frokjaer beheimatet.

Dizella 1988

Werner Ausserhofers „Stammmutter” Dizella nach der Geburt ihres letzten
dänischen Fohlens im Jahr 1988.   
Foto: Privat

Es spricht für den Züchter Werner Ausserhofer, sich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Wir sprechen von einer Zeit, in der Speedy Crown und Super Bowl die Traberwelt eroberten und auch Mutterstuten noch ihren Preis hatten. Da war es schon zumindest interessant, mit einer Stute eines über nicht mehr als regionale Berühmtheit gelangten Vatertieres namens Hövding zu züchten, die einen Rekord von 1:20,7 und Gewinne von knapp über 5.000 Euro aufzuweisen hatte. Auch bei der Mutterlinie schien gewisser Optimismus vorhanden, denn neben ein paar durchaus gefälligen Erfolgen war dies doch eine, sagen wir, recht exotische Linie, die es von den USA über Deutschland nach Dänemark und schließlich nach Österreich verschlug. Es ist dies die Linie der in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts geborenen Amerikanerin Flora Forrest, die von „Traber-Urvater” Habletonian 10 gedeckt wurde, woraus die Stute Katie Clark (*1874) entsprang. Die Linie verblieb noch für einige Generationen in den USA, die 1917 geborene Freda Crawford fand dann 1924 den Weg über den Atlantik nach Deutschland. Stakes-Sieger in der alten Heimat sucht man vergeblich, hingegen gab es in Deutschland folgende Zuchtrennsieger: Graf Gessler, Freda Axworthy (a.d. Freda Crawford), Mannesmut (Sieger im Elite-Rennen 1948), Gilde (a.d. Granitta), Gallo (a.d. Gilde), Clinty (a.d. Delphiene), Realist (a.d. Gigantin), Fred Lobell (a.d. Freduka), Petermann (a.d. Rising Tide) und Yuan (a.d. Ysabel). Wie unser deutscher Kollege Jürgen Gaßner dankenswerter Weise dazu bemerkt, dürfte diese Linie in Deutschland mittlerweile komplett ausgestorben sein – kann aber durchaus ein Comeback feiern (siehe letzter Absatz).

Wie auch immer, Werner Ausserhofer züchtete mit Dizella und wurde mit einer feinen Stute belohnt, die auf den Namen Bousuki hörte. Vom damals von Tomas Bertmarks KGB ins WTV-Gestüt Schönfeld gepachteten Bonefish-Sohn Little League (ein 3/4-Bruder zu Barbeque) abstammend, gewann die 1991 geborene Stute eine halbe Million Schilling in alter Währung und Werner Ausserhofer hatte eine starke Zuchtperspektive.

Bousuki 1999

Bousuki am 26. Dezember 1999 nach einem Sieg mit Amateurfahrer Oliver Badura.
Foto: www.pferderennfoto.at

Diese wurde sogleich mit dem Erstling mehr als erfüllt. Die von Armbro Goal abstammende Pompano Crown war auch den „Boys” in den großen Jahrgangsrennen überlegen und krönte ihre Karriere mit dem Derbysieg. Mit einer Bestzeit von 1:12,7, später gelaufen in Schweden, ist sie nach wie vor Österreichs schnellste Stute aller Zeiten.

Es schien also so, dass der Einfluss von zwei US-Hengsten (Little League, Armbro Goal) dieser Mutterlinie neues Leben einhauchte. Das Ableben von Pompano Crown ist umso mehr schmerzhaft, als sich Armbro Goal ja als ausgezeichneter Mutterstutenvater entpuppte, etwa von Credit Winner, From Above, Mack Grace SM (sowie vieler weiterer Top-Traber seiner zweiten Heimat Italien), Juggle Face, Tsar d'Inverne oder für Österreich Sanssouci.


Pompano Euphoria 1

Pompano Euphoria, eine Jährlingsstute des in Schweden gut gefragten Credit-Winner-Sohnes Judge Joe, dessen älteste Nachkommen
heuer zweijährig sind. Die Halbschwester zur Derbysiegerin ist deutsch registriert und wird auf der Berliner Derby-Aktion präsentiert.   
Foto: Privat

Dem einzigen Fohlen von Pompano Crown namens Pompano Stayin' Alive (das Präfix Pompano ist eine Hommage an die favorisierte Urlaubsadresse von Werner und Sonja Ausserhofer, Pompano Beach in Florida) wird in den nächsten Jahren dementsprechend Aufmerksamkeit zuteil werden, egal, in welchem Land es auch registriert werden wird. Letzteres ist insofern interessant, da Werner Ausserhofer die Nachkommen der Bousuki nach Pompano Crown nicht mehr in Österreich eintragen ließ. Pompano Mick 1:14,6 (v. Scarlet Knight), Pompano Dream 1:15,5 (v. Fill V), die dreijährige Pompano Princess (v. Thai Tanic) sowie der nunmehr zweijährige Pompano Reza (v. Racer Bourbon) wurden allesamt in Schweden registriert, die Jährlingsstute Pompano Euphoria (v. Judge Joe), über die Ausserhofer ob deren Exterieurs ins Schwärmen gerät, hingegen deutsch und wird auf der in Kürze in Berlin abzuhaltenden Jährlingsauktion präsentiert werden. Es folgte noch ein heuer geborenes Hengstfohlen nach Juliano Star, der die Nachkommenschaft von Bousuki beschloss. Werner Ausserhofer wollte die Stute zwar heuer noch von Ready Cash decken lassen, doch durch die tragischen Umstände wurde daraus leider nichts mehr.


2013_07

© Nikolaus Matzka 2013–2018