Ganador gewinnt in Straubing

Kräftiges Lebenszeichen einer großartigen Mutterlinie

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Siegerliste Rennen Nr. 4
Vielen Dank an Jürgen Gaßner!

Natürlich hat das ehemalige „Rennen Nr. 4” in Straubing schon bessere Zeiten gesehen (siehe Siegerliste nebenstehend), die 10.000 Euro Dotation des heurigen Nachfolgers „Igor Font-Rennen” können sich aber doch durchaus sehen lassen. Dass dieses Rennen nun von einem österreichischen Youngster gewonnen wurde, kann durchaus als sensationell angesehen werden, auch wenn kein einziges deutsches Pferd am Ablauf war. Zudem ist auch die Geschichte, wie es zu diesem Sieg kam, durchaus erwähnenswert.

Igor Font Rennen

Ergebnis Igor Font-Rennen
Quelle: www.hvt.de

Es war am 14. Mai dieses Jahres, als der Autor dieser Zeilen im Magna Racino weilte. Manfred Strebel kam mit einem großgewachsenen Zweijährigen in die Stallungen und erwähnte, dass dieser das erste Mal auf einer Rennbahn sei. Tatsächlich war dieses Pferd Ganador (Andover Hall – Montserrat Jet – Coktail Jet – Indune – Proven Freight), der knapp drei Monate später, am 4. August, auf der Rennbahn in Baden in einer Qualifikation nachgenannt wurde und sich in tollen 1:18,6 über 1600 Meter qualifizierte. Dies ist unseres Wissens nach die schnellste Qualifikationszeit eines zweijährigen Trabers in der Geschichte des österreichischen Trabrennsports.

Manfred Strebel nannte Ganador (spanisch „Gewinner”, „Sieger”) auch für das Igor Font-Rennen in Straubing nach und traf dort vor allem auf italienische Konkurrenz. Nicht weniger als vier der acht Teilnehmer waren im südlichen Nachbarland gezogen. Der favorisierte Muscle-Hill-Sohn Spartan Kronos sprang sich allerdings mit Helmut Biendl recht früh um alle Chancen, während sich der von Naglo abstammende Settecolori Jet mit Jochen Haide im Sulky sofort die Spitze gesichert hatte. Der als dritte Totochance ins Rennen gegangene Ganador wurde ruhig auf die Beine gebracht, fand im ersten Bogen an der Innenkante schön freie Fahrt vor, um spätestens eine halbe Runde vor Schluss beim Piloten vorstellig zu werden. Das Duell um den Sieg währte dann auch bis kurz vor die Ziellinie, auf der Ganador schließlich eine Kopflänge Vorsprung hatte. Schon deutlicher zurück kamen mit Sciacallo OM sowie Selvaggia Jet die weiteren italienischen Teilnehmer ein, gefolgt von der exotischen – in diesem Fall russischen – Note des Rennens, Beautiful Yankee. Die vom Österreicher Johann Priller gesteuerte schwedische Diamond-Way-Stute Höwings Tiffany fiel der Disqualifikation anheim.

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In sensationellem Stil gewinnt Ganador mit Amateur Manfred Strebel das Igor Font-Rennen in Straubing.   Foto: www.traberfan.at

Abgesehen davon, dass das Rennen in den ersten drei Abschnitten doch sehr langsam war, das letzte Viertel dann allerdings in 1:14,5 absolviert wurde, ist natürlich die Abstammung des österreichischen Siegers von großem Interesse. Ganador stammt vom US-Granden Andover Hall (Garland Lobell – Amour Angus – Magna Force), der einerseits als globaler Vererber von absoluten Spitzencracks wie Donato Hanover, Brad de Veluwe, Libeccio Grif, Adrian Chip, Pampered Princess, Beatgoeson Hanover, Cedar Dove, der in Schweden mit durchschlagendem Erfolg deckenden Quite Easy bzw. Andover Andover oder eben auch des Namensgebers unseres beschriebenen Rennens, Igor Font, bzw. auch schon als Muttervater von Cracks wie Archangel oder Weltrekordlerin D'Orsay schon jetzt seinen Platz in der Geschichte der Trabrennzucht hat, andererseits von vielen Züchtern auch ein wenig misstrauisch beäugt wird, da er im Ruf steht, oftmals übergroße Pferde zu bringen, die sich schwer handlen lassen.

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Ganadors Mutter Montserrat Jet  Foto: www.pferderennfoto.at

Bei Ganador scheint in dieser Richtung alles perfekt, was sicher auch mit seiner großartigen Mutterlinie zu tun hat. Er ist der Erstling der enorm schnellen Coktail-Jet-Tochter Montserrat Jet, die im Jahr 2007 das Karl-Bürger-Gedenkrennen in Rennrekordzeit von 1:15,7/1600 für sich entschied (der Rennrekord wurde erst im Vorjahr durch Edo Venus – 1:15,6 – gebrochen). Und auch die weitere Mutterlinie ist höchst interessant. Prinzipiell jene der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den USA geborenen Stute Dolly, deren 1898 geborene Tochter Poulette allerdings schon in Frankreich zur Welt kam. Ihre 1930 ebenfalls in Frankreich geborene Ur-Enkelin Indiana IX (v. Quo Vadis) brachte schließlich 1944 die Stute Induna (v. Unikum), geboren in Österreich. Deren Tochter Indunchen (*1950, v. Hermit) zeugte den österreichischen Derbysieger des Jahres 1971, Ilimani (v. Gentil Kaiqui), zuvor schon dessen rechte Schwester Ma Cherie (*1959), über deren Tochter Mahasin (Mutter des Badener-Meile-Sieger Marius 1:14,9 v. Uggiano; ihr Tiroler Besitzer Michael Mitterer orientierte sich zuchtmäßig  weiterführend nach Deutschland) der Zweig über die Proven-Freight-Tochter Indune (2j. 1:17,3) zu Ganador führt (aber auch etwa zu Here comes Joey 1:12,8 v. Supergill, Indivina 1:12,5 v. Divinator, Induna Lad 1:14,2 (Mutter u.a.v. Iniesta) oder der unglücklich nach Italien exportierten Indiana 1:14,7 v. Diamond Way).

Mon Bijou

Mon Bijou (l.), über drei Jahrzehnte lang Österreichs gewinnreichster Traber.  
Foto aus: „125 Jahre Wiener Trabrenn-Verein”

Natürlich wurde Indunchen jedoch vor allem Mutter des 1966 geborenen Mon Bijou (ebenfalls von Gentil Kaiqui), der sich zwar im Derby 1970 um alle Chancen sprang, durch enorm erfolgreiche Auftritte zumeist in München aber etwa auch durch seinen Ehrenplatz im „Hunyady”-Gedenkrennen des Jahres 1973 zum klar gewinnreichsten österreichischen Traber aller Zeiten aufstieg. An dessen Gewinnen von umgerechnet 159.172 Euro biss sich so mancher Ösi-Star (zB Dale Qui oder Super Joie) in den folgenden Jahrzehnten die Zähne aus, erst die Derbysiegerin von 2001, Super Mind, konnte fast drei Jahrzehnte später die Schallmauer dieser Gewinne durchbrechen.

Der zweite Derbysieger Österreichs dieser Mutterlinie war 2003 Hot Gill 1:13,1 (v. Supergill). Er stammt aus der Park-Avenue-Joe-Stute Hot Line, ihrerseits eine Tochter der 1981 geborenen Proven-Freight-Tochter Indunchen (manchmal auch apostrophiert als Indunchen II), eine Tochter der Mahasin. Dieser Zweig brachte ebenfalls stets enorm schnelle Pferde, Hot Gill gab selbst als Deckhengst mit wenigen Nachkommen gar keine schlechte Figur ab. Dessen rechte Schwester Gillderella ist augenblicklich die Zuchtstute der Züchterfamilie Trünkel und brachte bislang den schnellen Hot Way 1:14,8 (v. Diamond Way). Zu großer Hoffnung gibt momentan ihr zweijähriger Sohn Hot Heart Anlass, der Uronometro-Spross zeigt sich für höhere Aufgaben an.

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Hot Gill im Jahr 2007 bei einem Sieg mit Rudolf Haller in Baden.  Foto: www.pferderennfoto.at

Abschließend bleibt nicht mehr zu sagen, als dass diese superbe Mutterlinie – die in Frankreich mit dem seinerzeit schnellsten Franzosen aller Zeiten, Minou du Donjon 1:11,5 (u.a. Muttervater v. Quick Wood u. Wellino Boko) v. Quioco sowie Kerido du Donjon 1:12,0 (u.a. Vater von Sud) v. Coktail Jet zwei Euro-Millionäre brachte, nicht zu vergessen den niederländischen Star Fideel – nach wie vor bestens aufgestellt ist und jederzeit an frühere Erfolge anschließen zu können scheint. Ganador, der ursächliche Grund dieser Abhandlung, hat am 1. September die nächste Möglichkeit dies zu untermauern, da steigt in München-Daglfing der Jugend-Preis um 25.000 Euro.



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© Nikolaus Matzka 2013–2018