Super Arnie ist tot

Ein großartiger Champion trat für immer ab

Einer der erstaunlichsten Stallions der letzten Jahrzehnte musste im Alter von 26 Jahren in Schweden eingeschläfert werden. Super Arnie war – nicht nur in Schweden – ein exeptioneller Deckhengst, Elite-Hengst seit dem Jahr 2000, vier Mal hintereinander schwedischer Champion-Hengst in den Jahren 2006 bis 2009.

Der Super-Bowl-Sohn war ein sehr gutes Rennpferd und gab vor allem zweijährig, als er sechs Siege und einen Rekord von 1:12,5 erzielte, Anlass zu größter Hoffnung. Die Dreijährigen-Saison war allerdings durchwachsen, dem Hambletonian (Sieger Harmonious) des Jahres 1990 musste er überhaupt fernbleiben. Insgesamt ist man versucht, diesen Jahrgang als einen mittelmäßig gelungenen der amerkanischen Trabergeschichte einzuordnen, trotz Pferden wie eben Harmonious, Embassy Lobell, Royal Troubador oder den in Europa zum Grand-Circuit-Gesamtsieger aufgestiegenen Kosar. Vor allem blieben alle aufgezählten Hengste bis auf einige Ausnahmen in der Zucht vieles oder alles schuldig.

Super Arnie 1991

Nicht so Super Arnie. Der auf der legendären Castleton Farm geborene Hengst wurde auf der Tattersalls-Auktion um 100.000 Dollar an Tomas  Bertmark verkauft, dessen Deckhengst-Imperium KGB in den „goldenen” achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgebaut wurde. Nach der Dreijährigen-Saison ging der Super-Bowl-Sohn, der im Ranking von Hoof Beats für ebendiese noch an erster Stelle gehandelt worden war, nach Schweden, wo er seine zweite Karriere startete.

Und diese hatte es in sich. Super Arnie zeugte bis dato insgesamt 89 Schwedenkronen-Millionäre, sein bester männlicher Nachkomme war Gigant Neo, Sieger im Prix d'Amérique des Jahres 2006 (nach der Disqualifikation von Jag de Bellouet), Gewinner von über 20 Millionen Kronen. Super Light, die sagenhafte Stute Camilla Highness sowie Beanie M.M. konnten über 10 Millionen SEK eintraben. Sein bislang letztes absolutes Higlight ist die superbe Stute Fascination, augenblicklich bei 4,4 Millionen angelangt. Wie es sich für einen Top-Deckhengst gehört, trat Super Arnie auch schon als Mutterstutenvater in den Vordergrund (22 Millionäre), erwähnt sollen Giant Superman, Bobtail, Reven d'Amour oder Annicka sein, diese Liste wird sich sukzessive vergrößern.

Super Arnies allererste Deckhengste-Anzeige in Travrondens „Vinternummer” 1991

Super Arnie war in vielen Ländern Europas dank Gefriersamen erfolgreich, eine besondere Bedeutung hatte er jedoch zweifelsfrei für den österreichischen Trabrennsport. Auch mit vergleichsweise kleinen Jahrgängen zeugte er Saison für Saison absolute Top-Traber, man könnte meinen, dass er wie geschaffen für das kleine Traberland war. Das Resultat waren letztlich drei Derbysieger – Super Mind (2001), Arnie's Mind (2005/ beide aus der Proven-Freight-Stute Never Mind, beide zu ihrer Zeit zum gewinnreichsten Traber Österreichs aufgestiegen) und Arnie's Way AD (a.d. Indocina Sas v. Diamond Way) – nebst Zuchtrennsiegern oder Top-Pferden wie Shaina, Chagall, Elton John, Morpheus Neo, Mystic, Mamma Mia, Courina, Super King Vita, Super Dream, Arnie Volo Mo oder Ayres the Mo.

Arnie's Way AD 2012 06 17

Der Super-Arnie-Sohn Arnie's Way AD gewann mit Michael Hönemann das Österreichische Traber-Derby 2012. Er war einer von drei österreichischen Derbysiegern des Super-Bowl-Sohnes.     www.pferderennfoto.at

Was machte die Stärke von Super Arnie als Deckhengst aus? Sein Vater Super Bowl ist über jeden Zweifel erhaben und einer der größten Traber-Stallions der Geschichte. Interessant wird es beim Muttervater Arnie Almahurst, dem eine eher späte, dafür umso beträchtlichere Rolle in der Trabrennzucht zufällt. Seine väterliche Linie entwickelte über seinen Sohn Florida Pro zeitweilig gewisse Stärke, über seinen Sohn Arndon brachte er mit Pine Chip eine Allzeitgröße, diese Linie scheint vor allem in Schweden über Scarlet Knight fortsetzbar. Arnie Almahurst war aber eben auch ein starker Muttervater, dies vor allem bei nachhaltigen Deckhengsten wie Express Ride, Express It, General November, Incredible Crafts und eben Super Arnie, man möchte vielleicht auch Tap In zu dieser Liste hinzufügen. Nicht unerwähnt sollen tolle Rennpferde aus Arnie-Almahurst-Stuten wie etwa HP Paque, Geraldine Broline, Furman, Dream of Goal, Florida Jewel, Simb Capi, Penelope Dei, Topkapi AS oder der früh eingegangene Harry's Bar sein.

Erstaunlich bleibt Super Arnies Erfolg in der Zucht dennoch (und das macht sie ja immer wieder so spannend). Wir sprechen hier die Mutterlinie an, jene der Amerikanerin Mary, geboren 1843, eine Tochter des Galoppers Monmouth Eclipse. Zweifelsohne stammen interessante Traber wie Spectator (geb. 1958) und Mr Pine Chip (*2003) in den USA oder Julienne (*1958), Emile (*1981) und Energetic (*1997) in Schweden aus dieser Linie, neben punktuellen weiteren Erfolgen in Europa (z.B. die Stute Baden Baden in Deutschland sowie etliche Spitzentraber in Slowenien) ist diese maternale Linie in den USA aber doch vor allem eine der Passgänger.

BEANIE MM GP NAZIONI 2011

Beanie M.M. (mit Johnny Takter) wird wohl einer der letzten großen internationalen Sieger auf der Rennbahn Mailand San Siro gewesen sein. Der Sohn von Super Arnie gewann über 10 Millionen Schwedenkronen.     Foto: Gerard Forni

Und somit reiht sich Super Arnie letztlich in die Kategorie „Überraschungserfolg in der Zucht” ein, die wir hier an anderer Stelle in Kürze veröffentlichen werden. Den Besitzern der vielen Spitzentarber von Super Arnie wird's egal sein. Sie hatten oder haben ein Pferd von einem Top-Champion, der seine Spuren in der Zucht des internationalen Trabrennsports für immer hinterlassen hat.

Pedigree Super Arnie und seine Nachkommen (Avkommor)





2013_07



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