Wundertüte Elegance Real

Zwei neue Superstuten erweitern das Vermächtnis der Zuchtperle

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Elegance Real im Jahr 2016 kurz vor ihrer Abreise nach Bayern, wo sie ihren Lebensabend als Freizeitpferd verbringt und täglich geritten wird.   Foto: Oliver Badura

Sherie  2017 07 09 Portrai (1)

Tatjana und Reinhard
Westermayr mit Sherie  
www.pferderennfoto.at

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Elegance Real
Foto: Oliver Badura

Final Destination 2017 0709

Final Destination (l. mit Hubert Brandstätter jun.) ist der letzte Nachfahre von Elegance Real   www.pferderennfoto.at

Der Stall Amanda von Reinhard und Tatjana Westermayr ist augenblicklich nach der Anzahl der 2017 gestarteten Pferde der größte Besitzerstall in Österreichs Trabrennsport. 26 Amanda-Pferde sind heuer bislang an den Start gekommen, womit der Stall eine nicht wegzudenkende Stütze dieses Sportes darstellt (neben den ebenfalls als Großstall auftretenden Team Neuhof mit 24 Pferden, Stall Antonshof und Alois Moser mit jeweils 22 Startpferden). 28 Siegerehrungen konnten die Traber des Stalles Amanda 2017 absolvieren (per 24. Juli), doppelt so viel wie der nächsterfolgreiche Besitzer (Stall Antonshof mit 14 Siegen).

Eine absolute Stütze für den Stall Amanda ist seit der Saison 2016 die Stute Sherie. Sie kam erst vierjährig auf die Bahn, und gewann bis auf ihr Renndebüt, in dem sie hauchdünn geschlagen Zweite wurde, 14 von 15 Rennen. Sie trat damit nahtlos die Nachfolge einer anderen „Siegmaschine” des Stalles an, Fleur de Lee Venus, die es auf mittlerweile 41 Siege brachte. Augenblicklich hält Sherie bei 17 Erfolgen und 5 Platzierungen bei 22 Starts, weiterhin scheint der Leistungsplafond der Stute noch lange nicht erreicht. Sie wird demnächst im Laufe der Berliner Derbywoche mit ihrem Trainer Hubert Brandstätter jun. an den Start gelangen.

In Berlin startete kürzlich auch ihre rechte Schwester, die ebenfalls deutsch registrierte Final Destination, letztes Fohlen der Elegance Real. Die dreijährige Stute ging mit nur drei Starts in den Beinen in den
1. Vorlauf zum Deutschen Stuten-Derby, konnte sich als Vierte zwar nicht für das Finale qualifizieren, hielt aber sehr gut mit und verbesserte ihren Rekord auf 1:15,6 (Siegerin: Tijuana Diamant in 1:15,3). Auch sie sollte ihren Weg machen.

Die Nachkommen der Elegance Real:

Elegance Real, 1:16,5 öst. dbr. ST, geb. 1995, Euro 48.081
v. Dale Qui 1:16,6 a.d. Dolly Smoke 1:18,6 v. Lord Pit 1:16,9

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Kaka beim Derbysieg mit Gerhard Biendl im Jahr 2011  www.pferderennfoto.at

2004 Coconut Kiss MS (AT) 1:17,6 – 2.665 Euro (v. Prakas)         
         2013 Pat Boone (AT) (v. November)         
         2014 Destiny Hope (AT) (v. November)
2005 Caipirinha (AT) 1:17,4 – 4.370 Euro (v. Coktail Jet)         
         2014 Suarez (AT) (v. Dream Vacation)
2006 Ronaldinho (AT) 1:13,0 – 69.906 Euro (v. General November)
2007 Kaka (AT) 1:10,6 – 221.120 Euro (v. November)
2009 Totti (AT) (eingegangen) (v. Donerail)
2012 Sherie (DE) 1:13,2 – 25.245 Euro (v. Muscles Yankee)
2013 David Villa (DE) (eingegangen) (v. Varenne)
2014 Final Destination (DE) 1:15,6 – 1.230 Euro (v. Muscles Yankee)

Sherie und Final Destination scheinen also in Anbetracht der Zuchtleistung ihrer Mutter Elegance Real ideale Zuchtstuten von morgen zu sein. Elegance Real, deren Vater der legendäre österreichische Derbysieger Dale Qui (v. Proven Freight) ist und der damit ein weiteres Mal (etwa nach Unlimited) als Muttervater heraussticht, verbringt ihren Lebensabend nach insgesamt acht Fohlen in der Nähe von München. Ihre Mutterlinie ist die eher seltene US-Linie der Lady Augusta, die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren wurde. Diese Linie ist sowohl in den USA als auch in Europa nur mehr selten anzutreffen, ein sehr bekannter Vertreter war etwa der deutsche Wallach Chattscha mit Gewinnen von über 370.000 Euro.

Dale Qui 2010

Dale Qui 26-jährig im Jahr 2010
im Gestüt Schönfeld
Foto: Nikolaus Matzka

Elegance Real selbst war für den Stall Oliver der Familie Badura ein sehr gutes Rennpferd und gewann bei einem Rekord von 1:16,5 über 48.000 Euro. Als Mutterstute bildeten ihre Nachkommen zunächst eine steil anwachsende Pyramide. Auf die 2004 geborene Coconut Kiss MS folgte Caipirinha, die beiden Stuten haben möglicherweise noch Potential als Mutterpferde. Dann ging es allerdings Schlag auf Schlag: 2006 kam Ronaldinho (v. General November) zur Welt, der seinen Vorlauf zum Österreichischen Traber-Derby 2010 gegen Akkon in 1:15,8/ 2300 gewann, dann aber leider genau zum Blauen Band des Jahres 2010 gesundheitlich angeschlagen war und nicht antreten konnte. Der bei Gerhard Biendl vorbereitete Hengst kam dennoch bei einem Rekord von 1:13,0 auf Gewinne von rund 70.000 Euro.

Pedigree Elegance Real
www.pedigreematching.com

Bislang der Gipfel der Nachkommenschaft von Elegance Real war allerdings Kaka. Der ebenfalls bei Gerhard Biendl ausgebildete November-Sohn gewann u.a. das Derby von 2011, stieg bei Stig H. Johansson in Schweden bis in höchste Klassen auf und wurde vor den Augen des Autors dieser Zeilen Zweiter im Finale der Silberdivision in Stockholm- Solvalla, nur geschlagen vom finnischen Derbysieger Seabiscuit. Kaka ist mit einer Zeit von 1:10,4 zweitschnellster österreichischer Traber aller Zeiten hinter Striking Actions und hat bislang über 220.000 Euro gewonnen. Von Schweden wurde er nach Finnland verkauft, wo er, nunmehr zehnjährig, weiterhin antritt und erst zuletzt ein mit 10.000 Euro dotiertes Trabreiten gewann. Es gab Überlegungen seitens Oliver Badura, Kaka nach Österreich zurückzukaufen und ihm einige Stuten zuzuführen, doch wurde er (Kaka, Anm.) mittlerweile kastriert ...

Um die Nachkommen der Elegance Real, die ein durchaus interessantes, da ungewöhnliches 3x3-Linebreeding auf Hickory Smoke besitzt, zu komplettieren: Nach Kaka fohlte die Stute 2009 einen Hengst nach Donerail namens Totti, der allerdings einging. Ab dann brachte Elegance Real nur noch deutsch registrierte Nachkommen, es folgten Sherie, 2013 ein Hengst namens David Villa (v. Varenne), der leider einging, und schließlich 2014 Final Destination, wie Sherie vom US-Champion Muscles Yankee abstammend. Dazu soll schon angemerkt sein, dass es sich etwa bei Final Destination um ein Pferd handelt, deren Vater wie Mutter heute 22 Jahre alt sind, ihr Muttervater Dale Qui wurde 1984 geboren, ihr zweiter Muttervater, der legendäre deutsche Hengst Lord Pit, gar 1964. Soviel zur These, nur modernste Blutlinien können erfolgreich sein 

Dale Qui Rennstatistik

Für die Statistiker:
Die Rennkarriere von Dale Qui

Noch ein Wort zu Dale Qui. Der von ihrem Chronisten gerne als „Mack Lobell Österreichs” apostrophierte Hengst (er sah dem amerikanischen Superstar unglaublich ähnlich, stammte aus derselben Mutterlinie und hatte für österreichische Verhältnisse eine famose Zuchtrennkarriere vorzuweisen) wurde später ein guter Deckhengst wie eben auch Muttervater. Die nebenstehende Rennkarriere weist für ihn ab der Qualifikation am 15. Juni 1986 (in 1:29,8 über 1800 Meter!) 12 Siege (darunter in allen 8 anfallenden Zuchtrennen!) in Folge (unseres Erachtens unerreicht in Österreich) inklusive dem Österreichischen Traber-Derby 1988 aus, bevor er im Flieger-Derby seine erste Niederlage bezog, was auch einen Besitzer- sowie einen Trainer-/Fahrerwechsel von Johann Scherber zu Cornel Bürgler nach sich zog. Fünfjährig fügte Dale Qui, nunmehr in stärkster internationaler Garnitur antretend, bei 13 Starts 6 Siege hinzu, womit sein Siegschnitt Ende fünfjährig starke 69% betrug. Der mehr und mehr an Rückenproblemen laborierende Hengst startete weitere zehn Mal, konnte jedoch keinen weiteren Sieg mehr erringen und ging 1991 in Rennpension.

Wie schon erwähnt, sollten also sowohl Sherie als auch Final Destination für die Zucht des Stalles Amanda einen wahren Schatz darstellen. Auch der an Nachwuchsmangel leidende österreichische Trabrennsport sollte davon profitieren. Wie auch an vielen weiteren Zuchtstuten von morgen, wie die brandaktuelle Stuten-Derby-Siegerin Windaisy Venus oder viele andere aus dem riesigen Reservoir an augenblicklichen Rennstuten. Eine Auswahl:

Born to Win (DE) 1:14,7 (Oscar Schindler SL – Besset – Ditka Hanover)
Fleur de Lee Venus (AT) 1:13,4 (Tarport Goal SL – Four Roses – Bosphorus)
Four Roses Venus (AT) 1:13,6 (Buzz Saw – Four Roses – Bosphorus)
Lady Grace Venus (AT) 1:16,1 (Edu´s Speedy – Grace Attack – Kingfish)
Oklahoma Venus (AT) 1:14,7 (Tarport Goal SL – Orange Bluelady – Bosphorus)
Opaline Bi (IT) 1:13,9 (Toss Out – Fairlady Bi – Sugarcane Hanover)
Shaina (AT) 1:14,1 (Super Arnie – Flying Cloud – Diamond Way)
Sherie (DE) 1:13,2 (Muscles Yankee – Elegance Real – Dale Qui)
Windaisy Venus (AT) 1:17,4 (Incredible Hulk – Windaisy – Speedy Crown)
Xena Venus (AT) 1:15,8 (Charmy Skeeter – Xea Lobell – Speedy Crown)


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Westermayr



© Nikolaus Matzka 2013–2017