Maharajah am Olymp

Auch als Deckhengst?

Das augenblicklich wohl charismatischste Pferd Schwedens stand am 26. Jänner 2014 in Paris-Vincennes am Olymp des Trabrennsports. Der Sieg im
Prix d’Amérique war die Krönung einer fantastischen Karriere, die durchaus auch ihre diversen Schattenseiten hatte. Aber der mittlerweile neunjährige Viking-Kronos-Sohn, dessen Vater leider recht früh mehr oder weniger unfruchtbar wurde und nur mehr gezielt Stuten bei Lutfi Kolgjini bedeckt, belehrte seine Kritiker an diesem Tag eines besseren und zeigte, dass er trotz seines für ein absolutes Weltklassepferd eher durchschnittlichen Siegschnittes (53%) einen der zwei großen Klassiker Europas gewinnen kann. Der Elitloppet möge ja heuer durchaus noch folgen, auch wenn sein Umfeld – seiner liebevollen Pflegerin Lisa Skogh ist sicher ein großer Teil des Erfolgs zuzuschreiben – diesbezüglich wohl vor allem am Startprozedere feilen muss…

Maharajah ist nach dem PdA-Sieg augenblicklich siebentgewinnreichstes Pferd Schwedens mit einer Summe von 23.488.423 Schwedenkronen (rund 2,6 Millionen Euro), bei einer lückenlosen Fortsetzung seiner Karriere mit einem hypothetischen zweiten Erfolg am Plateau de Gravelle könnte er durchaus in die Top-3 vorstoßen, alleine Victory Tilly mit über 37 Millionen SEK an Gewinnen scheint auch für ihn unerreichbar (außer bei einem Elitlopp-Sieg).

MAHARAJAH 2014 01 26

Maharajah am Ziel seiner Karriere   Foto: Gerard Forni (mit Originalkommentar)

26/01/2014 VINCENNES;PARIS GRAND PRIX D'AMERIQUE - CI - G1 TIERCE HULTMAN Stefan (Entraineur);KIHLSTROM Orjan (Driver);TRAVKOMPANIET STALL AB (Casaque) MAHARAJAH

Johan Hellander, Chefveterinär von Menhammar Stuteri, erzählt uns, dass der mächtige Hengst 2012 seine zweite Karriere im Gestüt begann, 76 kleine Maharajahs erblickten 2013 das Licht der Welt, sind also heuer Jährlinge. Im Vorjahr, erstmals für die Öffentlichkeit inseriert, bedeckte der Braune 88 Stuten. Seine Decktaxe von insgesamt 68.000 Kronen (rund 7.500 Euro) scheint für ein Weltklassepferd – vor allem im Vergleich zu französischen Preisen für Deckhengste – durchaus vertretbar.

Wie sieht es mit seinen Blutlinien aus?

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Örjan Kihlström bei der Pressekonferenz in Vincennes
Foto: Nikolaus Matzka

Maharajah (3x4x5 auf Super Bowl ingezogen, dies bestätigt die landläufige Meinung, dass Star’s-Pride-Blut extrem stehfähig ist; zusätzlich sieht man einen 5x4-Cross auf Speedy Crown) stammt väterlicherseits  von Viking Kronos (herausragendes Merkmal: Linebreeding auf Star’s Pride, zu sehen u. a. auch bei einem Weltklassetraber wie Campo Ass; Speedy Crown ist erst und nur in der vierten Generation vertreten) ab, der als Stallion über jeden Verdacht erhaben ist. Ein Produzent ganz großer Sieger, seit 2007 Elite-Hengst in Schweden, nunmehr praktisch steril. Wer kann seine Nachfolge antreten? Raja Mirchi? Triton Sund? Going Kronos, wie Maharajah ebenfalls auf Menhammar deckend, hat die besten Chancen dafür, ist Top-Vererber unter Schwedens Dreijährigen 2013. Und relativ teuer (135.000 SEK). Going Kronos (a.d. Bell Power v. Pine Chip, Mutterlinie: Nelly v. Mambrino Sterley, die zuletzt vor allem durch die sagenhafte Amerikanerin Bee A Magician herausstach) ist zu 100% mit US-Blut durchzogen, Maharajah weist hingegen ca. 10% französischen Bluteinschlag auf. Sein Muttervater ist der Amerikaner Giant Chill v. Speedy Crown (Maharajah ist also im Grunde genommen ein klassischer Star’s Pride-Speedy Crown-Cross), sein zweiter Muttervater der legendäre Franzose Tibur, der die schwedische Zucht doch temporär veränderte, daher auch die 10% Franzosenblut (und da vor allem jenes von Fandango, das sich sehr nachhaltig in hinteren Generationen der Pedigrees hält, ein Beispiel dafür sei nur Österreichs Champion-Stallion
Edu’s Speedy).

Maharajah

Pedigree Maharajah   www.thebloodbank.info

Maharajah stammt aus einer US-Mutterlinie, jener der Gründungsstute Star Queen, die in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren wurde. Scheidepunkt zwischen Nordamerika und Schweden war die 1923 geborene Stute Frances Great, die nach Schweden exportiert wurde und ebenda sieben Nachkommen brachte, darunter mit Frances Bulwark (v. Bulwark) eine der großen Heroinen des frühen schwedischen Trabrennsports, Elitlopp-Siegerin 1953, im Jahr 2012 in die Hall of Fame in Schweden aufgenommen, bei 130 Starts 80 Mal siegreich und 31 Mal platziert! Ihr 1959 geborener Sohn Frances Nibs (v. Nibble Hanover) trat auf der Rennbahn fast in ihre Fußstapfen und konnte auch Mitte der siebziger Jahre als Deckhengst Erfolge feiern. Dann dünnte sich diese Mutterlinie, was die Anzahl der Siege in großen Rennen betrifft, doch etwas aus, erwähnt soll trotzdem etwa Gutten B
(v. My Nevele) sein, ein dänischer Hengst, der das Imperium des Stalles Gasselseder in Österreich einläutete. In Schweden folgte Mitte der Neunziger der höchst erfolgreiche Mr Spender (v. Big Spender), während sich die verbliebenen Zweige dieser Mutterlinie in Nordamerika vor allem durch Pacer hervortaten.

Ein gewaltiger, man möchte sagen durchaus überraschender Schub in dieser maternalen Linie, kam dann sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks in den ersten Jahren des neuen Milleniums. Da pirschten sich diverse nordamerikanische Trotter (und hier sei Kanada besonders erwähnt) an die Jahrgangsspitze heran, gipfelnd im im Jahr 2008 geborenen Hengst Daylon Magician (Kadabra – Daylon Marvel – Super Pleasure), der es bei einem Rekord von 1:09,1 auf über 1,6 Millionen US-Dollar an Gewinnen brachte. In Europa erwachte diese Linie in Schweden etwa durch Västerbo Miguel, vor allem aber natürlich durch Maharajah. Doch auch die Erfolge in Tschechien durch Pferde wie Agita und Ann Poggi (die durch ihren italienischen Vater Up di Poggio den Kreis zu Österreich – Stichwort Tosca Victory – schließt), ihrerseits erfolgreiche Ahnen der großen Frances Great, sollen nicht unerwähnt bleiben.

Während in Nordamerika durch diverse Erfolge von Stuten (wie etwa Lady Blitz) diese Linie zumindest gesichert scheint, ist in Schweden durch den Hype des Stars unserer Abhandlung ebenfalls mit starker Fortsetzung zu rechnen. Maharajahs Mutter Chili Khan war selbst ein Klasse-Rennpferd mit 1:13,1 Rekord und über einer Million Schwedenkronen an Einkünften. Bis dato brachte sie neun Nachkommen, ihr erfolgreichstes war ihr drittes Fohlen (Maharajah), ihr viertes, dessen rechter Bruder Pasha, war zumindest recht schnell (1:13,3). Ansonsten gibt es (noch) nicht viel zu berichten, Maharajahs 2012 geborene rechte Schwester Taj Mahal war kürzlich in Travronden zum Verkauf angeboten, 2013 fohlte die 1996 geborene Chili Khan eine Stute nach Credit Winner.

Maharajah – ein Deckhengst der Zukunft?

Mit Sicherheit, vermutlich mit kleinen Einschränkungen. Ein Grande des Trabrennsports, der für Schweden nach langer Zeit (2006 gewann Gigant Neo aufgrund der nachträglichen Doping-Disqualifikation Jag de Bellouets, der letzte Sieg der Schweden am „Rennplatz” datiert mit Ina Scot im Jahr 1995, also fast zwei Jahrzehnte sind vergangen) wieder den Sieg von Paris nachhause holte; eine noble Abstammung, die allerdings die 10% Franzosenblut seitens Tibur (geb. 1963!) offen lässt (man erinnere sich, Tibur-Söhne sind längst aus der Trabrennzucht verschwunden, Pferde mit Tibur als Muttervater wie die großartige Queen L. haben nicht erwartungsgemäß weitervererbt; es bleiben bei Tibur als Muttervater großartige Rennpferde wie Beanie MM – bleibt als Deckhengst im Gespräch –, Colombian Necktie, Gazza Degato, Jackhammer oder Jolly Rocket, womit jedoch durchaus ein Raffinement (Vergleich: bei Edu’s Speedy sieht man Fandango in der 5. Generation, bei Maharajah in der vierten) eingebaut sein könnte.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017