Robert Bi

Das „Pferd von einem anderen Stern” im Pedigree

Am 20. November findet in Oslo-Bjerke das UET-Europa-Championat der Dreijährigen statt. Neben als fix geltenden Startern wie etwa Rokkakudo (Schweden), Harmi’s Frido (Finnland) oder Dream with me (Niederlande) steht auch Österreichs Ausnahme-Dreijähriger Tosca Victory auf der Wunschliste der Norweger. Die klamme Frage der Beteiligten ist aber: Startet Robert Bi? Der Italiener, der erst einmal in seiner Heimat am Ablauf war, da aber in fantastischer Manier den Klassiker Gran Premio Orsi Mangelli gewinnen konnte, gilt als aktuell bester Dreijähriger Europas.

ROBERT BI PRIX ŠT VINCENNE

Spätestens jetzt war er auch international bekannt: Robert Bi bei seinem überlegenen Sieg im Prix de Faulquemont in Paris-Vincennes
am 4. Mai 2013 mit Robin Bakker.
   Foto: Gerard Forni

Wie kam es dazu? Wie leicht am Appendix seines Namens zu erkennen, wurde Robert Bi von der Traditionszuchtstätte Biasuzzi gezogen und auf der ITS Selected Yearling Sale am 12. September 2011 in Busto Arsizio um 14.000 Euro verkauft. Für seinen holländischen Besitzer Koop K. Bijkerk wurde er von Robin Bakker knapp ein Jahr später in 1:17,4 über 1609 Meter qualifiziert und löste seine erste offizielle Aufgabe am 30. September 2012 souverän, als er als 14:10-Favorit ein international offenes Zweijährigenrennen in Gelsenkirchen in 1:17,2 über 2000 Meter weit vor Vicky Corner und Shoemaker gewann.

Nach einem ersten siegreichen Aufbaurennen als Dreijähriger in den Niederlanden wartete am 4. Mai 2013 in Paris-Vincennes ein 65.000-Euro-Dreijährigen-Vergleichskampf auf ihn, den er in 1:14,3 über 2700 Meter mit Dominik Locqueneux als 74:10-Außenseiter überlegen gegenüber Adonis du Goutier sowie Remo Gas an seine Fahnen heftete. Nach einem norwegischen Streichresultat im Juli ging es im August wieder nach Paris, wo er, diesmal auf der Bahn von Enghien, einen weiteren 65.000er der Dreijährigen klar für sich entschied, diesmal schon als deutlicher Favorit. Dies sollte der stets von Paul Hagoort vorbereitete Hengst auch einen Monat später in Vincennes im mit 85.000 Euro dotierten Prix Emile Wendling sein, doch war nach einem Startfehler nicht mehr als Rang vier möglich, Riesenaußenseiterin Rori Axe gewann vor Jonesy sowie Tast of Bourbon. Von der französischen Presse wurde Robert Bi dennoch zum „vainqueur moral” des Rennens erkoren.

Die nächste Station war zwei Wochen später am 22. September München-Daglfing, wo sich Robert Bi den Bayern-Pokal in Bahnrekordzeit (wohlgemerkt, als Dreijähriger) von 1:12,1 über die Meilendistanz – und aus der zweiten Startreihe – sowie weitere 12.500 Euro Siegprämie sicherte. Zu seinem ersten ganz dicken Scheck kam der Toss-Out-Sohn dann im eingangs erwähnten GP Orsi Mangelli, den er, abermals aus Startreihe zwei und zudem nach erheblichem Startverlust aufgrund eines recht rustikalen Parierversuches seitens Andrea Guzzinati mit der galoppierenden Rori Axe, in dafür sensationellen 1:13,3 über 2100 Meter noch locker für sich entschied.

Zurück zur einleitenden Frage. Beim Schreiben dieser Zeilen stand es keineswegs fest, ob das italienische Derby in Rom oder in Neapel gelaufen wird bzw. ob sich Robert Bi überhaupt daran beteiligen wird. Ein Luxus, so ein Rennen auslassen zu können (auch wenn man die Prämie erst am St. Nimmerleinstag erhält). Und sind knapp 200.000 Euro Gewinne für ein Pferd solch einer Klasse bis dato wirklich genug? Fragen, die nur Trainer und Besitzer beantworten können; geografisch würde sich das monetär sicherere Norwegen daher auch anbieten. (Und Derby-Vorjahressieger Pascia’ Lest hatte zu diesem Zeitpunkt schon gut viermal so viel Geld am Konto…)

Genug der Spekulationen – was macht Robert Bi so schnell? Es ist manchmal ganz einfach. Ein bewährter US-Deckhengst, Toss Out, der auch mit 23 Jahren noch begehrt ist bzw. dessen Nachkommen sich verkaufen (auf Allevamento Biasuzzi hält man sich neben ihm physisch nur Equinox Bi als Stallion). Ein Muttervater von bestem Ruf (Self-Possessed), sowie eine der absolut besten US-Mutterlinien, jene der Sally Sovereign, besser als Maggie H. bekannt. Wenn es bloß immer so einfach wäre …

Pedigree Robert Bi

Pedigree Robert Bi   www.thebloodbank.info

Spaß beiseite. Robert Bi ist also zu 100% amerikanisch gezogen, hat aber schon dreijährig bewiesen, dass ihm auch die schwerste Bahn der Welt, Vincennes, nichts anhaben kann. Zudem ist seine Mutterlinie natürlich ein Juwel, auch der direkte Stamm. Seine Mutter, die 1996 geborene Up Front JM, war zwar rekordlos, brachte aber neben dem Star unserer Abhandlung vor allem die ausgezeichnete Oasis Bi, 2008 geboren und seit ihrem Export nach Schweden 2009 zu einer Superstute mit einem Rekord von 1:11,1 und Gewinnen von über 2,3 Millionen Schwedenkronen gereift. Sie stammt ebenso von Toss Out wie etwa ihre bescheidener gelaufene, 2005 geborene Schwester Lacoste Bi, deren Nachkommen von Muscles Yankee (2011) und Donato Hanover (2013) schwedisch registriert sind bzw. werden.

Die zweite Mutter von Robert Bi, die Amerikanerin Dalona Brisco, trächtig nach Self Possessed nach Italien importiert (---> Up Front JM), brachte mit Candid Effe (v. Toss Out) und Glamour Effe (v. Self Possessed) zwei überdurchschnittliche Jahrgangspferde mit Gewinnen von jeweils über 300.000 bzw. 200.000 Euro. Ihre Tochter Dotty Effe (v. Sierra Kosmos) zeugte den Supercrack Island Effe (v. Lemon Dra), Euro-Halbmillionär und Gewinner des Gran Premio Della Lotterie aus 2009.

Island Effe LOTtERIA2009

Island Effe beim Triumph im Gran Premio Della Lotteria Nationale 2009.  Foto: Gerard Forni

Die dritte Mutter von Robert Bi, Icefolly (v. Bonefish), zeugte den Wallach Million Dollar Bye (v. Armbro Charger), der für einen Amerikaner unübliche 202 Starts absolvierte und dabei keine Million Dollar verlor, sondern 1,3 Millionen gewann. Über Icefollys Mutter Icecapade gelangt man zu Escapade, Mutter des Dollar-Millionärs Firm Tribute (v. Bonefish), zu Arabesque, deren „Descendants” hier eindeutig zu viel Platz benötigen würden. Einen Auszug der ungeheuren Nachkommenschaft dieser Mutterlinie kann man hier ersehen: Nachkommen Mutterlinie Sally Sovereign/Maggie H.

Und wie schon desöfteren an dieser Stelle erwähnt: Die italienische Zucht steht – vor allem – durch die hochqualitativen US-Importe aus den siebziger- und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf dermaßen starkem Fundament, dass sie jederzeit Weltklassetraber produzieren kann. Davon zeugt nicht nur ein Pferd wie Varenne...


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© Nikolaus Matzka 2013–2017