Neuer Rennrekord im Österreichischen Traber-Derby

Und auch im Karl Bürger-Memorial 
Die Zuchtmuster der Sieger

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Heck M Eck mit Christoph Schwarz im Sulky   Foto: www.pferderennfoto.at

Der 20. Juni 2021 war durchaus ein besonderer Renntag in der Wiener Krieau. Sowohl im höchstdotierten Trabrennen Österreichs, dem Traber-Derby, als auch in der traditionell ersten Dreijährigen-Prüfung, dem Karl Bürger-Gedenkrennen, fielen die Rennrekorde. Heck M Eck trabte im Derby 1:15,0 über 2600 Meter (bisherige Rekordhalter: Striking Actions (2009) 1:15,2/ 2300 Meter sowie HP Smek (2014) 1:15,2/ 2600 Meter), Bürger-Sieger Charmy Charly AS lief 1:14,2 über 1600 Meter (bisher Super Hall – 2016 – 1:14,6/ 1600). Beide Pferde gewannen in überlegenem Stil.

Diese Zeiten hinken im Vergleich den Spitzennationen des Trabrennsports hinterher, zwei Faktoren sind wohl dafür ausschlaggebend: Erstens gehört die Piste in der Krieau mit Sicherheit nicht zu den schnellsten Europas, zweitens ist das österreichische Rennsystem nicht auf Dauerspeed ausgerichtet, wie etwa in den USA, häufig aber auch längst schon auch in den europäischen Traber-Spitzennationen wie etwa Schweden. Dies hat letztlich auch mit den geringen Fohlengeburten in Österreich zu tun.

Heck M Eck

Ein Wort noch zum Training der beiden Protagonisten: Heck M Eck wird in Bayern von der Trainergemeinschaft Robert Gramüller/ Josef Sparber vorbereitet, Charmy Charly AS steht in Italien im Training von Holger Ehlert.

Wie sind nun Heck M Eck und Charmy Charly AS gezogen?

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Park Ridge Lobell, Hamburg 1990   Foto: Nikolaus Matzka

Der Vater des Derbysiegers, der deutsch gezogene Odessa Santana, deckte erstmals im Jahr 2012 und hatte in seinem ersten deutschen Jahrgang mit Azimut 1:12,3 – 142.558 EUR großen Erfolg, sodass die Jahrgänge in den folgenden Jahren mitunter deutlich größer wurden. Er ist ein Sohn des legendären Diamond Way, dem erfolgreichsten deutschen Stallion aller Zeiten, dessen Söhne in der Zucht zumeist aber nicht an die Erfolge ihres Vaters anschließen konnten.

Die Mutter von Heck M Eck ist die Timberland-Tochter Devona 1:15,1 – rd. 20.000 EUR Gewinne. Nach zwei Fohlen von Ready Cash war Heck M Eck bislang ihr klar erfolgreichster Nachkomme. Auch 2019 fohlte sie nach Odessa Santana. Die zweite Mutter, Magic of Love, sowie die dritte Mutter, die Amerikanerin Italus, brachten je einen Nachfahren mit Gewinnen von über 100.000 Euro.

Es ist dies die sehr alte Mutterlinie der Amerikanerin Nancy Neale, die in den 1840er-Jahren geboren wurde. Diese Linie ist höchst interessant, da sie sowohl in ihrem Heimatland als auch in praktisch sämtlichen anderen Trabernationen Europas wie auch Ozeaniens nach wie vor aktiv ist. Zu den erfolgreichsten Trabern dieser maternalen Linie zählen Malabar Man, Park Ridge Lobell, Love Matters (alle USA), Nantucket (Schweden), Ursa Caf, Ismos FP, Topkapi AS (Italien), Patrizier, Prahler (Deutschland), Beatriz (Dänemark) und nun eben auch Heck M Eck in Österreich.


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Charmy Charly AS mit Roberto Vecchione   Foto: www.pferderennfoto.at

Charmy Charly AS

Der dreijährige Charmy Charly AS ist ein Sohn des 2012 geborenen Franzosen Charly du Noyer (auf der Mutterlinie nahe verwandt mit Coktail Jet), der 2017 seinen ersten Jahrgang präsentierte, darunter der französische Jahrgangscrack Helgafell. Ein Jahr später kam Charmy Charly AS zur Welt, dessen Mutter Xea Venus 1:11,4 – 247.563 EUR die schnellste und gewinnreichste österreichische Stute aller Zeiten ist. Xea Venus (v. Charmy Skeeter) brachte 2019 eine Stute nach Ready Cash und 2020 eine Stute nach Pascia’ Lest.

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Marion Marauder, Lexington 2016   Foto: Nikolaus Matzka

Die zweite Mutter, Xea Lobell, deckte lange Jahre beim Stall Venus und brachte u.a. auch die Derbyzweite Xena Lobell (v. Charmy Skeeter). Der Zweig der dritten Mutter Heart Throb Lobell (v. Speedy Somolli, der einmal mehr auffällig dominant in beiden Pedigrees ist) verstreut sich neben Österreich vor allem nach Schweden und Belgien. 

Die Mutterlinie von Charmy Charly AS ist eine der erfolgreichsten weltweit, jene der in den 1860er-Jahren geborenen Amerikanerin Sally Sovereign, international besser bekannt unter dem Namen ihrer Enkelin Maggie H. (*1883). Diese brachte ungezählte Spitzentraber und Stallions, darunter etwa Crowning Point, Royal Prestige, Nuclear Kosmos, Nearly Perfect, Firm Tibute, Me Maggie, Sierra Kosmos, Almost An Angel, Armbro Keepsake, Donerail, Self Possessed, Credit Winner, Syrinx Hanover, Rite On Line, Deweycheatumnhowe, Broad Bahn, Archangel, Shake It Cerry, Pinkman, Marion Marauder, (USA), den für die Zucht Frankreichs so wichtigen Amerikaner Mickey Viking, Activity, Power, Aetos Kronos, Don Fanucci Zet (Schweden), Isla J Brave, Passionate Kemp (Finnland), Passing Renka (Niederlande), Viking Kronos, Sec Mo, Igor Font, Robert Bi, Oasis Bi (Italien) nebst vielen erfolgreichen Pacern.



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© Nikolaus Matzka 2013–2021