Derbysieger in Österreich

Ein Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte

Kaka 2011 06 26

Kaka bei seinem Derbysieg mit Gerhard Biendl im Jahr 2011   Foto: Eduard Risavy/www.pferderennfoto.at

Kürzlich erschienen zwei interessante Artikel über die Karriere italienischer wie deutscher Derbysieger (Was ist aus den Derby-Siegern geworden?), auch uns schwebte schon länger ein ähnlich gearteter Artikel vor, wir wollen allerdings vor allem einen züchterischen Überblick bieten.

Prinzipiell ist zu sagen, dass tatsächlich ab 1996 (bzw. eben vier Jahre davor bei der Geburt) eine Zäsur in der österreichischen Traberzucht stattfand. In diesem Jahr gewann Kings Spotlite das Blaue Band und war damit der erste Derbysieger, der mittels Gefriersamen gezeugt wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurden schließlich vorrangig Deckhengste verwendet, die zu 100% nordamerikanisches Standardbred-Blut führten (Spotlite Lobell v. Speedy Somolli, Excel Hanover v. Florida Pro, Crown´s Best v. Speedy Crown, Armbro Goal v. Speedy Crown, Super Arnie v. Super Bowl, Armbro Garnsey v. Speedy Crown, Supergill v. Super Bowl, Awesome Goal v. Armbro Goal, Bosphorus v. Baltic Speed, Oaklea Bluejay v. Dream of Glory sowie Buzz Saw v. Pine Chip), diese stellten alleine 15 der letzten 21 Derbysieger. Fünf Vatertiere – vor allem der jüngeren Jahre – tragen französischen Bluteinschlag in sich: Chergon v. Graf Zepplin (ca. 11% Franzosenblut), Cezio Josselyn v. Armbro Goal (42%), November v. Buvetier d´Aunou (21%), Edu´s Speedy v. Speedy Bandito (6%), Love You v. Coktail Jet (43%) und Goetmals Wood v. And Arifant (59%).

Von den erwähnten Hengsten erwies sich vor allem Super Arnie mit drei Siegen als essentieller Vererber für das österreichische Blaue Band, Armbro Goal und Buzz Saw feierten jeweils zwei Erfolge.

Betrachtet man die Jahre vor 1996, so wird deutlich, dass die Derbysieger zumeist von in Österreich deckenden Hengsten stammten, da vor allem von jenen des Gestüts Schönfeld (Proven Freight, Proud Vic, Burning Speed, Armbro Duke bis zurück zu Erro und Mr Baldridge), das die längste Zeit im Besitz des Wiener Trabrenn-Vereins stand, bevor Mitte der achtziger Jahre eine damals noch sehr anstrengende Reisetätigkeit – samt Mutterstute – einsetzte und Hengste wie etwa Pershing in Schweden oder Eléazar in Frankreich aufgesucht wurden. Von den Vätern der vergangenen 21 Derbysieger nach 1996 deckten 5 in Österreich (Excel Hanover, Crown´s Best, Awesome Goal, Oaklea Bluejay, November), rechnet man die in Tschechien stehenden, allerdings für den österreichischen Markt agierenden Edu´s Speedy und Buzz Saw dazu, sind es insgesamt 8 Derbysieger von Hengsten „vor der Haustür”. Die restlichen Stallions wurden im Ausland aufgesucht, die Stute trächtig importiert oder eben Gefriersamen verwendet (Spotlite Lobell, Armbro Goal, Chergon, Super Arnie, Armbro Garnsey, Supergill, Cezio Josselyn, Bosphorus, Love You und Goetmals Wood).

Eine geradezu sensationelle Derby-Bilanz hat die in Deutschland geborene Fiona (v. Blue Grass Boy) aufzuweisen, sie wurde zwischen 1999 und 2004 Mutter von gleich drei Derbysiegern: Lee Roy Crown, Run for Whiskey und Non Plus Ultra.

In dieser Zeitspanne gab es drei Dopingfälle, die zur Disqualifikation der Sieger im Derby führten (2000 Sailing Hjordal v. Speed Sailing, 2006 Taifun
v. S J´s Photo und 2016 Muscle Mouse v. Muscle Mass), etwas vor unserem Untersuchungszeitrahmen 
löste Boris Freight (Derby 1991) den gedopten Toni´s Freight (beide von Proven Freight) als Sieger ab.

Wie in praktisch allen (Traber-)Ländern auch, waren die Derbysieger in Österreich nach dem Sieg im größten Rennen ihrer nationalen Karriere sehr unterschiedlich erfolgreich. Speedy Webbster und Lee Roy Crown machten unter bayerischer Trainings-Regie feine Karrieren, Super Mind wurde zur gewinnreichsten Stute Österreichs ihrer Zeit (erst kürzlich abgelöst von Xea Venus), ihr rechter Bruder Arnie´s Mind wurde seinerzeit zum gewinnreichsten Traber Österreichs aller Zeiten. Er wurde abgelöst von Striking Actions, der eine tolle internationale Karriere machte (vor allem in Frankreich, aber auch in Schweden) und nach wie vor sowohl der schnellste (1:10,1) als auch der gewinnreichste (mit fast einer halben Million Euro an Gewinnen) Traber Österreichs ist. Der Sieger zwei Jahre danach, 2011 – Kaka –, machte eine tolle Karriere in Schweden und stieg bei einem Rekord von 1:10,6 und über 200.000 Euro an Gewinnen bis in die Golddivision auf.

Im Gegensatz dazu könnte man bei den folgenden Derbysiegern von wahren Seuchejahren sprechen. Arnie´s Way AD (Sieger 2012) holte sich nach dem Derbysieg zwar noch einen Rekord in Italien, war dann aber weg vom Fenster. MS Dreamer (2013) kam nach dem Derby überhaupt nicht mehr auf die Bahn, während sein Runner-Up Edo Venus nach langer Durststrecke augenblicklich in Frankreich wieder Fuß gefasst hat. Ähnlich verhielt es sich mit dem folgenden Sieger, dem in Schweden vorbereiteten HP Smek, der nach dem Derby nur mehr sehr sporadisch in Erscheinung trat und dieser Tage ein erneutes Comeback versucht. Auch hier wurde der Zweitplatzierte, der hohe Derbyfavorit Tosca Victory, das klar bessere Pferd und verdiente in seiner internationalen Karriere bislang über 170.000 Euro. Der vierte Derbysieger en suite, der von schweren Verletzungen nicht verschont blieb, war schließlich der Gewinner von 2015, Paradis Wood B, der nach dem Blauen Band gerade einmal einen Probelauf absolvierte. Wie wir dieser Tage erfuhren, hofft man in seinem Trainingsquartier aber auf eine baldige Fortsetzung der Karriere.

Liste der Derbysieger

Wer ist Ihr Derbyfavorit 2017 in Österreich? Schreiben Sie uns unter info@trabrennzucht.at, wir veröffentlichen die prozentuelle Auswertung in Kürze (dies selbstverständlich anonym).   

2017_03

© Nikolaus Matzka 2013–2017