Dragon Darche


Dragon Darche 2016 02 29

Dragon Darche bei seinem Österreich-Debüt am 29. Februar 2016 als Dreijähriger.  www.pferderennfoto.at

Ein französischer Publikumsliebling in Österreich

Am 29. Februar 2016 betrat ein dreijähriger Franzose die Bahn im Trabrennpark Krieau. Es sollte der Beginn einer grandiosen Erfolgsgeschichte werden. In allen 48 Starts von seinem Besitzer Manfred Strebel gesteuert, konnte der Hengst inklusive 21. Juni 2020 exakt 26 Rennen gewinnen, zuletzt vor allem mit durchaus enormen Vorsprung auf die besten Pferde Österreichs.

Originalton Manfred Strebel bei der Siegerehrung am 31. Mai 2020 in Baden: „Ein Wunderpferd”!

Was hat es mit diesem Wunderpferd auf sich, wie kam er nach Österreich, und kann er seine Gene weitergeben?

Wir sprachen mit Manfred Strebel, einem Faktotum des österreichischen Trabrennsports, dessen trabersportlicher Höhepunkt mit Sicherheit der Derbysieg mit Nottingham im Jahr 1994 war.

„Ich habe Dragon Darche dreijährig auf der Prix d’Amérique-Auktion gekauft. Im Februar kam er erstmals in der Krieau an den Start und gewann dieses Rennen, wie auch gleich das darauf folgende.” Dann offenbarte sich, dass der Fuchs gewissermaßen doch noch ein Baby war, er versprang sich in den folgenden zwei Aufgaben. Danach ging es aber wieder mit Spitzenplätzen weiter, die Saison wurde mit vier Siegen und Gewinnen von 8.446 Euro abgeschlossen.

Zu erwähnen ist, dass Dragon Darche vor seinem Verkauf nach Österreich von Spitzenfahrern wie Franck Nivard, Matthieu Abrivard, Franck Ouvrie, Jos Verbeeck oder Pierre Vercruysse gesteuert wurde. Laut Manfred Strebel sind die Franzosen nach wie vor interessiert, wie der Werdegang von Dragon Darche verlief bzw. verläuft.

Dragon Darche schoss kometenhaft in andere Gewinnklassen, im Jahr 2017 gewann er drei Rennen bei Gewinnen von 8.177 Euro.

Und es wurde immer besser. 2018, fünfjährig, siegte Dragon Darche nicht weniger als sieben Mal bei zehn Starts! Gewinne von 9.390 Euro standen am Ende der Saison zu Buche. 2019 erreichte der Franzose schließlich mit Gewinnen von 9.560 Euro seine Jahresspitze, er gewann dabei neun Rennen, sieben davon en suite! Dabei scheinen ihm die Bahnverhältnisse wenig auszumachen, die Siege fuhr er sowohl in Wien-Krieau, Baden als auch Magna Racino in Ebreichsdorf ein. (Wenngleich Manfred Strebel betont, dass er sich in Baden mit den engen Kurven doch etwas schwerer tut.)

Zu seinem Pedigree:


Bildschirmfoto 2020-06-23 um 16.03.02


Wir haben Manfred Strebel gefragt, ob er Dragon Darche als Deckhengst ankören wolle, zumindest für ein paar Stuten? Strebel zeigte sich als Routinier in Sachen Traberzucht und meinte, dass die Hauptprotagonisten in Dragon Darches Pedigree doch schon drei oder vier Generationen zurückliegen.

Wir aber sagen: Wer ist Dragon Darches Vater Romero du Hulme bzw. sein Großvater Gandero? Das wichtige Blut stammt von dessen Vater Buvetier d’Aunou, der aus der Vaterlinie von Speedy Crown stammt. Betrachtet man die Mutterlinie, findet man mit Extreme Dream, Quito de Talonay und vor allem dessen Vater Florestan die Grandezza der französischen Mutterväter. Dragon Darche ist also durchaus ein weiteres Beispiel des goldenen amerikanischen Crosses zwischen Speedy Crown und Star´s Pride, dem Vater von Florestan.

Dazu kommen noch bemerkenswerte Linebreedings, die durchaus wichtig für ein erfolgreiches Pedigree sein können. Das erste ist ein 4x5-Linebreeding auf den großen Speedy Somolli, der nach wie vor in Pedigrees vieler Spitzentraber prominent aufscheint. Weiters sieht man Linebreedings auf die französischen Spitzenhengste Kerjacques, Caprior und Sabi Pas.

Die Mutterlinie von Dragon Darche ist nicht uninteressant, es ist ein Beispiel einer späten Linie. Sieht man über den Sieger im Prix d’Amérique 1936, Javari, ab, so startet diese maternale Linie erst wieder in den frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch. Es ging los mit Tristan d´Essarts (v. Jiosco), dann kam der Millionen-Traber Vivier de Montfort (v. Kronos du Vivier). Über Jeanbat du Vivier (v. Coktail Jet) und Nobilis Jiel (v. Gai Brillant) geht es weiter zu Retourn Money (v. Corot), Quiela Jiel (v. Diamant Gede) und Cristal Money (v. Coktail Jet) bis heute zu Fado de Chen (v. Singalo).

Der Ursprung von Dragon Darches Mutterlinie ist die im Jahr 1861 geborene französische Stute Fatemey, deren Vater ein Galopper und ihr Muttervater ein Mischling aus Galopper und Araber war.

Neben seinem enormen Potential als Rennpferd scheint Dragon Darche also auch aus der Sicht der Zucht noch einiges zu bieten haben.

Wie geht es weiter mit dem Publikumsliebling? Manfred Strebel meinte, dass er es dem Pferd überlasse, was er machen wolle. Dragon Darche ist nunmehr sieben Jahre alt, bei einem Rekord von 1:13,6 hat er bislang 47.453 Euro verdient. Betrachtet man die Überlegenheit dieses Pferdes bei den vergangenen Siegen, wird es aber wohl auch Manfred Strebel (der übrigens seinen zweiten schnellen Franzosen, El Moko, für schwer unterschätzt hält und der noch viel Potential hat) schwer fallen, Dragon Darche in naher Zukunft nicht mehr einzuspannen.

Und wer weiß, ein zweites „Hunyady” kommt bestimmt, das erste ist ja für Dragon Darche rennverlaufmäßig sehr schlecht ausgefallen. Das Eventualtoto zum Sieger Orlando Jet von 76:10 war jedenfalls erstaunlich.

Dragon Darche 2019 08 04

Dragon Darche und Manfred Strebel beim Sieg in Baden am 4. August 2019.  www.pferderennfoto.at

Menhammar


2020_06

© Nikolaus Matzka 2013–2020