HP Smek im 129. Österreichischen Traber-Derby

Ein Blick auf die Blutlinien des Siegers

Martin Redl, Österreichs einziger Sieger in einem Grand-Circuit-Bewerb (Campionato Europeo in Cesena im Jahr 2002 mit Presta Yankee im Race Off gegen Fan Idole), wanderte im Jahr 2009 von seinem Gestüt in Alland nach Schweden aus und arbeitet seitdem in Jägersro als Trainer. Laut Liste auf www.travsport.se hat er augenblicklich 16 Traber im Training, viele davon deutsch registriert. Und dann ist da noch ein Pferd namens HP Smek, österreichisch registriert, mit dem Redl in der 129. Auflage des Österreichischen Traber-Derbys die große Sensation schaffte und als 229:10-Außenseiter (HP Smek war die zweite Toto-Chance, bescherte aufgrund des vom Wiener Trabrennverein ausgespielten 3.000-Euro-Siegwette-Jackpot seinen Spielern einen Feiertag) den haushohen Favoriten Tosca Victory letztlich leicht bezwang. Das Ergebnis

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HP Smek und Martin Redl gewinnen das Österreichische Traber-Derby vor dem hohen Favoriten Tosca Victory.   www.pferderennfoto.at

HP Smek

Pedigree HP Smek   www.thebloodbank.info

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HP Smek kurz nach der Geburt   Foto: Privat

Das Rennen spielte sich für den Love-You-Sohn vorerst nicht unbedingt perfekt ab, zumal er in der Todesspur agieren musste, eine Runde vor Schluss aber doch mit Meilo Mo, der schließlich Dritter wurde, ein Führpferd bekam. Der aus der zweiten Startreihe abgegangene langsame Beginner HP Smek wurde auf der letzten Runde immer stärker, stellte Pacemaker Tosca Victory in der Schlusskurve und overpowerte den Favoriten im Einlauf mit grandiosem Schlussakkord. Eine tolle Sache für das Team um den Trainer und der Besitzerfamilie Preining aus Linz, eine herbe Enttäuschung natürlich für den Stall Oliver, der scheinbar noch nie so nahe an einem Derbysieg war wie im Jahr 1994, als man mit Dancing Qui ein heißes Eisen im Feuer hatte, dieser aber disqualifiziert wurde.

Turbo Claud 2007

Turbo Claud,
die Mutter von HP Smek
   www.pferderennfoto.at

Lucky Joe 1987

Lucky Joe mit Cornel Bürgler beim Derbysieg 1987

Super Joie 1995

Super Joie nach dem Derbysieg 1995 mit Walter Kössner
Foto: Nikolaus Matzka

Wir trafen Martin Redl, der in Schweden nicht immer die rosigsten Zeiten erlebt hat, nach dem Rennen. Er schwärmte neben dem Pferd vor allem von der Besitzer-Familie Preining, die ihm mit dem Pferd stets in aller Ruhe arbeiten ließ und nie Druck ausübte, was dem mächtigen Spätstarter natürlich zugute kam. Martin sprach auch von den insgesamt nicht einfachen Nachkommen aus der von Johann Preining senior gezogenen Turbo Claud, von denen ihr Erstling Snäcka Checka (*2006, v. Cezio Josselyn) bis 2013 in Schweden lief. Es folgten im Zweijahrestakt HP Sockersöt (v. Awesome Goal), nie auf der Bahn erschienen, HP Smek, sowie 2012 No Bacardii, ein Hengst nach November.   

Nun aber zu den höchst interessanten Blutlinien des Derbysiegers. Auf der Vaterseite sieht man Europas erfolgreichsten Deckhengst, den Franzosen Love You, der sich mit diesem Derbysieg durchaus heuer auch das österreichische Hengste-Championat sichern könnte, das er im Vorjahr schon in Frankreich, Schweden und Deutschland errang. Zu diesem europäischen Champion soll an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden, vielleicht zu Österreich nur soviel, dass seine Zuchtrennsieger General Mo, Holiday Mo (beide Sieger im Präsidenten-Preis für Fünfjährige) und eben auch HP Smek hierzulande ganz offensichtlich mit Spätreife ausgestattet sind. Der Hengst hat in Österreich von 2005 bis 2012 die gerechnet an seiner relativ hohen Decktaxe durchaus stattliche Anzahl von 44 Fohlen gebracht, die zum Großteil eher erst spät im Leben eines Trabers in Erscheinung traten. Dass Love You wie praktisch jeder andere erfolgreiche Stallion auch als Stutenvater in Erscheinung treten wird, scheint unbestritten, als Muttervater trat er bislang vor allem beim Franzosen Atlas de Joudes (v. Ready Cash) auf.

Die Mutterlinie von HP Smek ist eine hochinteressante, jedoch sicherlich nicht zu den erfolgreichsten weltweit zu zählen. Es ist dies zwar eine amerikanische Linie, Stammmutter ist die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts geborene Jenny (v. Bull Pup), doch trat diese Linie bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht in ihrem Heimatland, sondern durchwegs in Europa – da vorrangig in Schweden und Finnland – erfolgreich auf. Erfolge der Mutterlinie der Jenny (v. Bull Pup) Aus Finnland stammt auch der Zweig dieser Mutterlinie, der zum diesjährigen österreichischen Derbysieger führt. Johann Preining senior importierte die in Finnland mit schnellen Aktionen aufgefallene Claudie Michele 1:14,0 (*1989), die in Österreich durchaus erfolgreich weiterlief, bevor sie im Jahr 2000 mit Turbo Claud ihr erstes Fohlen brachte, die Mutter des Derbysiegers HP Smek. Claudia Michele brachte insgesamt nur vier Fohlen, zwei Hengste (Don Chill v. Giant Chill und Jean Luck v. Freiherr As) und zwei Stuten (Turbo Claud v. Turbo Thrust und Sophie le France v. Just had a Vision), die zwar mit Schnelligkeit gefielen, allerdings bislang die 10.000-Euro-Gewinnmarke nicht überschritten.

Farah Viking 2007 08 05

Stuten-Derby-Siegerin Farah Viking 2007 mit Josef Franzl
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Diese Mutterlinie hat sich mit dem Sieg von HP Smek im Blauen Band in die Liga der erfolgreichsten im Österreichischen Traber-Derby gespielt. HP Smek ist nach Lucky Joe (rd. 138.000 Euro Gewinne/v. Advokat) im Jahr 1987 und Super Joie (rd. 158.000 Euro Gewinne/v. Joie de Vie) 1995, der auch als Deckhengst eingesetzt wurde, der dritte Derbysieger dieser Linie und rückte damit zu jenen von Medarda I, Medio (je 4 Sieger) sowie Dolly Forward, Helena K und L’Anglaise (je 3 Sieger) vor. Mutterlinien im Österreichischen Traber-Derby

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Der Derby-Zweite Elton John (l.) mit Adi Übleis 2007 in Baden
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Festzustellen ist dabei, dass Lucky Joe und Super Joie aus einem völlig anderen Zweig dieser Mutterlinie stammen als HP Smek. Erstere zwei sind Halbbrüder und stammen aus der 1973 geborenen österreichischen Stute Elysee S. (v. Wulf), deren Zweig in Österreich vor allem in den neunziger Jahren ein Top-Pferd nach dem anderen brachte (und auch bis heute noch bringt, wenngleich merklich ausgedünnt). Diese geht wiederum über ihre Vormütter Vivace (*1961), Revanche (*1945) und Blaustrumpf (*1927), alle in Deutschland geboren, auf die Amerikanerin Bumper Crop (*1915) zurück, die nach Deutschland exportiert wurde und eine Nachfahrin in vierter Generation der Liniengründerin Jenny war.

HP Smeks Weg hingegen war ein anderer, er führt über seine österreichische Mutter Turbo Claud (*2000), deren finnische Vormütter Claudie Michelle (*1989) und Claudie Nella (*1979) zu Claudie Nibs (*1965), die wie ihre direkten Vorfahren Claudie Girl (*1953) und Claudia (*1942) in Schweden geboren wurde, letztere als Tochter der Amerikanerin Calumet Adelle (*1927), diese aus den USA nach Schweden exportiert. Calumet Adelle stammte in fünfter Generation von der Liniengründerin Jenny ab.

Die erwähnte Calumet Adelle zeugte in Schweden zwischen 1937 und 1951 insgesamt 12 Fohlen, darunter die Stute Manna (*1949), von der ein Zweig dieser Linie nach Deutschland gelangte, von dort fanden letztlich die Stuten Nana Lobell (*1984) bzw. deren Tochter Nana Viking (*1991) ihren Weg nach Österreich. Nana Viking wurde Mutter der 2003 geborenen Farah Viking (v. Giant Special), Siegerin dreijährig im Ypsilanty-Memorial im Magna Racino und vierjährig im Österreichischen Stuten-Derby in Baden. Die Gewinnerin von rund 65.000 Euro setzt nunmehr den Zweig dieser „Linie der österreichischen Derbysieger” als Mutterstute fort.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017