Tosca Victory

Der Jahrgangsprimus mit höchst interessantem Pedigree

Am 18. August streifte der dreijährige Tosca Victory mit dem Großen Badener Zucht-Preis seinen nächsten Erfolg auf höchster österreichischer Traberebene ein. Spätestens seit dem Triumph im Krieauer Theodor Mautner-Markhof-Gedenkrennen der Zweijährigen an der Spitze des Jahrgangs 2010, ist er heuer bei drei Starts in Österreich ungeschlagen und gewann alle wichtigen Zuchtrennevents in der Krieau, dem Magna Racino und eben in Baden. Dazwischen gab es vernachlässigbare Auftritte über 2100 Meter in München-Daglfing in der Hand seines Trainers Gerhard Biendl, die eine gewisse Skepsis betreff der Stehfähigkeit aufkommen ließen, die der Hengst jedoch in Baden über dieselbe Distanz mit großer Lässigkeit zerstreute und mit dem so verlässlichen Stallfahrer Christoph Schwarz letztlich überlegen vor Kronprinz Dallas Venus blieb.

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Ein mächtiger Kerl: Tosca Victory und Christoph Schwarz bei ihrem Triumph im Großen Badener Zucht-Preis   Foto: www.pferderennfoto.at

Wie kam der Hengst in den Besitz der Familie Badura bzw. deren Stall Oliver? Der tschechische Züchter Oskar Tylc trainierte mit dem von ihm gezogenen, damals zweijährigen Tosca Victory in der Wiener Krieau. Fritz Badura, Chef des Krieauer Beis'ls und seit Jahr und Tag im österreichischen Trabrennsport zugegen, gefiel, was er sah und der Deal wurde perfekt gemacht. Der Hengst mit dem schönen Geläuf wurde in die Obhut von Gerhard Biendl nach Bayern gebracht und auf seine weitere Karriere vorbereitet.

Knapp 40.000 Euro Gewinne stehen nun am Konto des Stalles Oliver bei diesem Pferd. Dass es für Tosca Victory im Herbst noch einen Geldregen geben wird, steht bei bleibender Gesundheit des Dreijährigen fast außer Zweifel, zu überlegen degradierte er seine Jahrgangsgefährten zu Statisten. Oliver Badura erzählte uns, dass er gefragt worden sei, warum Tosca Victory nicht etwa im Bayern Pokal genannt wurde, er meinte, dass Gerhard Biendl sehr behutsam mit dem Pferd umgehe und es in Österreich mit dem Frank Stronach Derby im Magna Racino sowie dem Anton Poschacher-Gedenkrennen in der Wiener Krieau heuer noch sehr gute Verdienstmöglichkeiten gebe. Danach liegt der Fokus ohnehin in Richtung Österreichisches Traber-Derby 2014, für das der Hengst schon jetzt als „heavy favorite” gilt, wie der Amerikaner zu sagen pflegt.

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Nun stellt sich die Frage nach den Genen des Hengstes, bei dem es laut Oliver Badura unabdingbar ist, ihn vor dem Rennen zwei Mal aufzuwärmen (im ersten Heat muss er sich austoben, beim zweiten ist er dann voll bei der Sache). Auch im Gespräch mit zuchtaffinen Personen hört man dann schon einmal die Frage: „Up di wer?” Tatsächlich ist es das Vatertier, das einige Verwunderung auslöst. Dabei war der Italiener Up di Poggio beileibe kein schlechter Traber, Gewinne von 664.024 Euro sind auch jenseits des Apennin keine Selbstverständlichkeit. Außergewöhnlich war seine lange Karriere, der 1994 geborene eisenharte Hengst bestritt seinen letzten Lebensstart elfjährig mit Enrico Bellei, letzter Trainer war Claus Hollmann, davor auch Holger Ehlert. Bei 137 Starts standen schlussendlich 49 Siege und 36 zweite oder dritte Plätze zu Buche. Up di Poggio maß sich – stets im Orsi-Mangelli-Umfeld desselben Besitzers wie Algiers Hall startend – mit den Besten seines Jahrgangs, gewann 1999 den Premio Mirafiori und den Premio San Gennaro und war etwa auch Zweiter im Gran Premio U.N.I.R.E. desselben Jahres hinter Uniforz und vor Simb Capi. Ein Jahr später gewann ein gewisser Varenne dieses Gruppe-I-Rennen...

Für eine Karriere als Deckhengst war dies in Italien scheinbar nicht genug, zu uninteressant schien auch das Pedigree des Hengstes zu sein. Tatsächlich mutet es auf den ersten Blick etwas antiquiert an, wäre da nicht die Vaterlinie von Sharif di Iesolo gegeben. Und so führte Up di Poggios Weg schließlich nach Tschechien (auch für Österreich wurde abgewunken), wo er als von 2008 bis 2011 als Deckhengst herangezogen wurde und der deutsch gezogenen Stute Tootsie Rich zugeführt wurde. Das Resultat hieraus ist der Star unserer Abhandlung; ein Trabrennpferd, welches einmal mehr beweist, dass die Blutlinien keineswegs auf dem modernsten Stand sein müssen, um höchst erfolgreich zu sein.

Tosca Victory TV

Viel Rummel um Tosca Victory, auch der ORF war bei ihm.
Foto: Michaela Lamers

Nur stark müssen sie sein! Und das sind die Gene von Tosca Victory, der übrigens frei von jeglichem Speedy-Crown-Blut ist, dafür den erst kürzlich eingegangenen schwedischen Champ Super Arnie als Muttervater hat, definitiv. Die Erfolge der Vaterlinie von Sharif di Iesolo hier zu benennen, würde den Platz sprengen. Allerdings gilt dies ebenso für die Mutterlinie von „Tosca”. Der Österreicher geht über die deutsch gezogene Tootsie Rich und die Holländerin Alljay Hanover zurück auf die Amerikanerin Debutante Hanover, die einer der erfolgreichsten Mutterlinien der Trabergeschichte entspringt, jener der Galopperstute Sally Sovereign, die Linie ist freilich besser bekannt unter der ihrer Enkelin Maggie H. (geb. 1883). Bei dieser tat sich alleine 2013 so viel wie in manch anderer Mutterlinie in deren gesamten Bestand nicht, etwa der Dreifacherfolg im Merrie Annabelle Trot mit der Siegerin Shake It Cerry, zwei neue Dollar-Millionäre (Beatgoeson Hanover und Action Broadway), acht neue US-Traber in 1:53 (1:10,2), weiters unzählige Spitzenleistungen in Europa, darunter die schwedischen Golddivisions-Sieger Deuxieme Picsous und Global Investment. (Mancher mag hier entgegnen, dass beinahe jedes Spitzenpferd aus einer tollen Mutterlinie stammt, aber erstens ist dem nicht so und zweitens zB Tosca Victorys Mutter Tootsie Rich nur vier Generationen vor der in dieser Mutterlinie überaus wichtigen Stute Fionne entfernt.)

Zu guter Letzt ein update zu den Eltern von Tosca Victory: Up di Poggio war im vergangenen Jahr im Gestüt Schönfeld in Niederösterreich zugange, schien jedoch keine Stute trächtig bekommen zu haben. Tootsie Rich steht in Tschechien, brachte nach Tosca Victory im Jahr 2011 einen Hengst nach Armbro Goal namens Ardo Goal und 2012 eine Stute namens Tosca Joy, ebenfalls von Armbro Goal. Heuer ist sie trächtig nach Eilean Donon.


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© Nikolaus Matzka 2013–2017