Der Traberjahrgang 1991 in Österreich

JG 1991

Weshalb 1991?

Fohlengeburten Österreich Sheet1

Beim Betrachten der rechtsstehenden Statistik erkennt man, dass 1991 das geburtenreichste Jahr in der Geschichte des österreichischen Trabrennsports in der zweiten Republik war. 584 Fohlen waren für das kleine Traberland eine ganze Menge. Wir wollen uns diesen Jahrgang ansehen bzw. was davon heute noch von Belang ist.

Derby 1995

Artikel aus TRABER WELT
Nr. 3/1995

Beginnen wir bei den Jahrgangsbesten. Dazu muss gesagt werden, dass es sich um eine signifikant einschneidende Zeit in der österreichischen Traberzucht handelt – Stichwort Gefriersamen. Derbysieger und gewinnreichster Traber des Jahrgangs war Super Joie, ein Sohn des Amerikaners Joie de Vie („Trotter of the Year 1983”), der 1989 nach sieben Jahrgängen in Nordamerika nach Vigone in Italien verkauft wurde und dort bis zu seinem Tod im Jahr 2010 deckte. Der Super-Bowl-Sohn konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nur selten erfüllen, keiner seiner Nachkommen kam über Gewinne von über 500.000 Dollar bzw. auch Euro hinaus, die erfolgreichsten davon der Italiener Copelan und die zwei Amerikaner Scirocco Spur und Furman, der nach Bayern exportiert wurde. Erfolgreicher war Joie de Vie als Muttervater, Stars aller Länder wie Chelsea Boko, Lookout Victory, Marita´s Victory, Mr Vic, Nahar, Passionate Glide, Russell November und Tom Ridge legen dafür Zeugnis ab, wobei vor allem ein unglaublicher Erfolg der Kreuzung zwischen Joie de Vie und Stuten aus der weltbesten Linie der Medio auffällig ist.
Super Joie stammt aus der Stute Elysèe S., einer Tochter des deutschen Hengstes Wulf, die schon 1987 einen Derbysieger, Lucky Joe, hervorgebracht hat. Diese amerikanische Mutterlinie war für Österreich weiterhin erfolgreich, Derbysieger HP Smek sowie die Zuchtrennsieger Farah Viking und Seyffenstein sprechen dafür. Finanziell am erfolgreichsten aus dieser Mutterlinie war der italienische Derbysieger Sugar Rey.
Super Joie wurde auch in der Zucht eingesetzt, von seinen Nachkommen war der Hengst Action Ferrari am erfolgreichsten und wird ebenfalls zur Zucht herangezogen. Er ist u.a. Vater der heurigen Derbyhoffnung Rammstein.

Super Joie 1995

Super Joie und Walter Kössner nach dem Derbysieg 1995   
Foto: Nikolaus Matzka


Während der Derbyzweite Falcon Mystère (v. Cheetah) nicht in den Zuchtbetrieb eingriff, war der Derbydritte Sweep-Sleep (v. Crown Sweep) da umso erfolgreicher. Dies ist nicht weiter verwundernswert, stammt er doch sowohl von der Vater- als auch von der Mutterlinie einmal mehr der Linie der Medio ab (siehe dazu auch unseren Artikel Linebreeding auf dieselbe Mutterlinie). Sweep-Sleep wurde u.a. Vater von Präsident SP, Frodo SP, De Boss SP, Yankee SP und Franky SP.

Derby 1995 1

Weiters spielten auch Pferde wie Durango V. (v. Toppino), Mendy`s Devil (v. Mendy), Der Zillertaler (v. Anglersline), Danton V. (v. Argos Liesbos), Mendy´s Best (v. Mendy), Weston Lobell (v. Caleb Lobell), Kentucky Fly (v. Bold Bid), Suprom ST (v. Suprom), Lampl Hochmoor (v. Look Beyond), The Best M (v. Mack Lobell), Clöbello (v. Larabello) oder auch die Stuten Zantana (v. Super Lamar), Hot Ice (v. Lord of All), Fatiway (v. Every Way), Joana P (v. Pershing) oder Peace Crown (v. Baltic Speed) in der Jahrgangsspitze mit. (Sollten wir in unserer naturgemäß subjektiven Auswahl auf das eine oder andere Pferd vergessen haben, lassen Sie uns es bitte wissen.)

Von den Stuten des Jahrgangs 1991 sind nicht allzu viele in der Zucht erfolgreich gewesen:

– Hanny One (v. Little League), selbst eine ganz gute Rennstute, brachte 2001 die schnelle Stute Super Dream (v. Super Arnie), diese wiederum 2011 den Wallach Tyrolean Dream (v. Dream Vacation), der 2017 das Graf Kálmán Hunyady-Gedenkrennen in der Wiener Krieau gewann und bislang fast 150.000 Euro auf sein Konto brachte.
– Makepeace (v. Little League), als Rennpferd ohne Referenzen, gebar 1996 als Erstling den frühen Jahrgangsprimus Cavern Club (v. Viroli di Robles), Gewinner von rund 115.000 Euro.
– Nordmodel (v. Belstar-Intact), ein passables Rennpferd, brachte 2008 den nach wie vor aktiven Nordman (v. Bay Mink), mit einem Rekord von 1:13,9 ausgestattet.
– Hot Line (v. Park Avenue Joe), als Rennpferd nicht weiter aufgefallen, brachte 1999 als Erstling den Derbysieger Hot Gill 1:13,2 (v. Supergill), Gewinner von fast 110.000 Euro, selbst als Deckhengst in Erscheinung getreten (Hot One 1:13,8).
– Olimpica (v. Florida Pro), die nie auf die Bahn gelangte, machte ihrer Mutterlinie als Tochter der Goldfee durchaus alle Ehre und war mit Pferden wie Theodor (v. Count´s Pride), Vico (v. Lindy´s Crown), Hot One (v. Hot Gill) oder Hillary (v. Uronometro) erfolgreich.
– Peace Crown (v. Baltic Speed) brachte als Erstling 1998 die Stute Peace Forever (v. Crysta´s Crown), die im Derby den Ehrenrang erlaufen konnte. Ihr Erstling von 2009 wiederum, Chabicou SR 1:14,3 (v. Dream Vacation), wurde zum Zuchtrennsieger und ist nach wie vor aktiv.

Interessant sind auch die damals neuen Deckhengste mit ihrem ersten Jahrgang 1991. Diese waren:

Sweep-Sleep

Sweep-Sleep
und Franz Konlechner   
Foto: Nikolaus Matzka

– Allen Hanover (v. Super Bowl)
– Anglersline (v. Bonefish)
– Argos Liesbos (v. Brogan)
– Balanced Image (v. Noble Gesture)
– Baltic Speed (v. Speedy Somolli)
– Barnabass (v. Speedy Count)
– Caleb Lobell (v. Speedy Somolli)
– Clivius (v. Proven Freight)
– Crown Sweep (v. Speedy Crown)
– Desert Night (v. Speedy Scot)
– Duhan MS (v. Speedy Attraction)
– Dynastic (v. Speedy Crown)
– Eagle Rock (v. Proven Freight)
– Ellizar H (v. Frosty Hanover)
– Firm Tribute (v. Bonefish)
– Gator Bowl (v. Super Bowl)
– Juno Hedevang (v. Pay Dirt)
– Larabello (v. Sabi Pas)
– Little League (v. Bonefish)
– Mack Lobell (v. Mystic Park)
– Moment of Magic (v. Speedy Somolli)
– My Florish (v. Pay Dirt)
– Ovni (v. Alexis III)
– Park Avenue Joe (v. Speedy Somolli)
– Probe (v. Super Bowl)
– Quotient (v. Lord Pit)
– Star Light (v. Burning Speed)
– Suprom (v. Super Bowl)
– Tibur (v. Fandango)
– Touchdown Hanover (v. Super Bowl)
– Veitch du Bois (v. Mucho Pride)
– Yankee No Mo (v. Speedy Crown)
– Zon Hazelaar (v. Nimrod R)

Fazit:

Wie eingangs erwähnt, war diese Zeit eine des Umbruchs in der österreichischen Traberzucht. Gefriersamen wurde erlaubt (der erste Derbysieger aus Gefriersamen war ein Jahr später, 1996, Kings Spotlite v. Spotlite Lobell) und viele Züchter machten Gebrauch davon. Auch aus diesem Grund ist die Bedeutung des geburtenreichsten Jahrgangs 1991 für die heutige Zeit verschwindend gering. Neben den angebotenen Hengsten veränderte sich auch die große Herde an Zuchtstuten im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte vor allem in der Qualität stark, verringerte sich leider aber auch nach und nach.

Von den in Österreich neu ins Bild gekommenen Stallions des Jahrgangs 1991 ist heute – auch international gesehen – ebenfalls kaum einer von Belang. Balanced Image war über Jahrzehnte der Top-Stallion in Kanada, keiner seiner Söhne konnte allerdings nachhaltig vererben, selbiges gilt auch für den französisch/schwedischen Elite-Hengst Tibur. Mack Lobell, ebenfalls schwedischer Elite-Stallion, bleibt eher als Mutterstutenvater in Erinnerung, auch Park Avenue Joe konnte letztlich die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Somit blieb von den obig angeführten 33 Hengsten nur ein einziger von anhaltender Wichtigkeit – und zwar Baltic Speed. Dieser wurde Vater von Valley Victory, dessen Linie bis zu Top-Star Muscle Hill bis heute die amerikanische aber auch europäische Zucht (bis auf Frankreich, wo das Zuchtbuch nach wie vor geschlossen ist) dominiert. 



2020_04
(Corona-Krise)







© Nikolaus Matzka 2013–2020