Eine kurze Geschichte des Trabrennsports in Österreich

1382
Erste Erwähnung eines „Traber- und Wettreiterclubs” in Wien-Rennweg (heutiger 3. Bezirk) unter Habsburg-Herzog Albrecht III. (1348 - 1395)

1874
Gründung des „Wiener Trabrennvereines”, erster Präsident: Graf Kálmán Hunyady

1875
Gründung eines Sportvereins in Baden, die ersten Trabrennen ebendort

1878
29. September: Eröffnung der Rennbahn Krieau in Wien, eine Pionierarbeit in Europa

1884
Erster Gewinner des Österreichischen Traber Derbys war Andal, sein Vater das Vollblut Waisenknabe.

1892
Gründung des „Trabrennvereins zu Baden bei Wien”, erster Präsident: Prinz Alexander zu Solms-Braunfels

1893
16. Juli: Eröffnung der Badener Rennbahn mit 15.000 begeisterten Besuchern, bis heute eine der schönsten Bahnen der Welt mit einem atemberaubenden Biedermeier-Ambiente

1895 - 1913
Die „Championship von Europa”, ein Heat-Rennen in Baden, war das wichtigste internationale Rennen in Europa in diesen Zeiten (K & K Monarchie Österreich-Ungarn). Sieger der Auflage von 1900 war der amerikanisch gezogene Caid, der einen starken Einfluss auf die österreichische Traberzucht der nächsten Jahrzehnte haben sollte.

Im Jahr 1900 gewannen die in österreichischem Besitz stehenden Pferde wie Caid, Athanio, Oberst Kuser, Bonatella und Wilburn M. die meisten der großen Rennen in Paris-Vincennes, worauf die Franzosen die internationalen Rennen bis 1912 stoppten...

1909 war die Weltrekord-Stute Lou Dillon zu Gast in Baden, in diesem Jahr gewann mit Jockey erstmals ein französisches Pferd die Championship. Der Schimmel war später ein erfolgreicher Deckhengst in Italien.

Willy (* 1904) und Dora (*1903), zwei österreichisch gezogene Pferde, wurden in die USA verkauft, Willy lief in seiner neuen Heimat Weltrekord.

1909 hatte des österreichische Gestütsbuch einen Umfang von 924 Seiten!
Zwischen 1912 bis 1914 wurden drei Tribünen am Trabrennplatz Krieau gebaut, damals als schönste Europas bezeichnet.

1914 - 1918
Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo verursachte den I. Weltkrieg. 17 Millionen Menschen starben, und auch ein Rennpferd war nichts anderes als ein Kriegsinstrument. Der erste große Verlust für die österreichische Zucht (Vollblut und Trab). Und das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie, auch das Ende der Dominanz im europäischen Trabrennsport.

Zwischen den Weltkriegen
Ein zwischenzeitliches Hoch für den österreichischen Trabrennsport. Pferde wie Europarekordhalter Heinrich oder Nervus rerum siegen in Paris-Vincennes, Letzterer 4. im Prix d'Amerique des Jehres 1935 hinter Muscletone, Calumet Guy und Hazleton. Hezleton selbst war zweifacher Gewinner des PdA (1931 & 1932), gefahren von der österreichischen Fahrerlegende Otto Diefenbacher.

1927
Heinrich (v. Ernest Axtell), als bester österreichischer Traber aller Zeiten tituliert, war geboren. Sein Rekord war 1:18,3 (1932 europäischer Rekord) und seine beim Derbysieg 1931 gelaufene Zeit von 1:24,7 über 3300 Meter war neuer europäischer Derby-Rekord und hielt in Österreich 40 Jahre. Heinrich war Zweiter im Prix de Belgique und unglücklicher Fünfter im Prix d'Amerique 1933. Er verlor das Hunyady des Jahres 1931 mit Halslänge gegen Walter Dear, 1932 gewann er das Rennen.

1928
50-jähriges Jubiläum des Wiener Trabrennvereines mit einem legendären Duell zwischen dem Amerikaner Guy Bacon und der dreifachen Prix-d'Amerique-Siegerin Uranie. Die Stute gewann...

1939 - 1945
1938 wurde Österreich von Nazi-Deutschland annektiert. Im zweiten Weltkrieg verloren zwischen 50 und 70 Millionen Menschen ihr Leben. Und der österreichische Trabrennsport war praktisch komplett zerstört. In den meisten Fällen, speziell im Falle von Heinrich und Nervus rerum, hieß es lapidar: „Pferd und Fahrer wurden nie wieder gesehen...”

1945
Obwohl in den Monaten Jänner bis März 290 Bomben auf die Krieauer Rennbahn fielen, konnte der Verein am 11. November den ersten Renntag nach dem Krieg abhalten. 13.000 Besucher kamen...

1949
Erste Rennen in Baden nach dem II. Weltkrieg

1953
Ein „Pferde-Toto” wurde eingeführt, war jedoch nicht erfolgreich und wurde 1966 wieder eingestellt.

1960 - 1990
Der Trabrennsport sowie die Zucht wachsen langsam aber stetig. 1971 gewann Adi Übleis die Europameisterschaft der Trabrennfahrer und danach auch die Weltmeisterschaft in den USA vor William Haughton (USA), Peter Wolfenden (NZ) und Hervé Filion aus Kanada. Übleis wurde zum „Sportler des Jahres” in Österreich gewählt und war zu einem guten Teil für die immer größere Begeisterung für den Trabrennsport verantwortlich.
Pferde wie Florestan und Meadow Road begannen ihre internationalen Karrieren in Wien im „Graf Kálmán Hunyady-Gedenkrennen”, das in seiner Siegerliste internationale Top-Traber wie Piper Cup, Queen L., Giesolo de Lou oder Opal Viking sah.

1973 kamen einige US-Mutterstuten nach Österreich, die Linie der Daisy Hanover (v. Speedy Count) setzt zu einem phänomenalen Siegeszug in den österreichischen Zuchtrennen an.

Im Jahr 1980 wurde in Wien das Elektronentoto installiert.

Die Fohlengeburten stiegen im Jahr 1991 auf die Nachkriegs-Höchstzahl von 579.

Der US-Deckhengst Proven Freight (v. Hickory Smoke) wurde zum eklatant dominanten Hengst der österreichischen Traberzucht und führte das Hengste-Championat über Jahrzehnte und bis weit nach seinem Tod im Jahr 1987 an.

1999 wurde die Haupttribüne in der Krieau renoviert. Die zweite und dritte Tribüne stehen unter Denkmalschutz und verfallen stetig.

Die 2000er-Jahre

Seit 1992 betreibt KR Johann Hochstaffl aus Tirol sein riesiges Zuchtgestüt in Südböhmen/ Tschechien mit dem Namen „Stall Venus”. Aus dieser Zuchtstätte sollen fortan Jahr für Jahr stetig steigende Anzahlen an Fohlengeburten den Weiterbestand des österreichischen Trabrennsports sichern. Seit 2008 ist das Gestüt Züchterchampion in Österreich, zahlreiche Zuchtrennsieger entsprangen hier, kaum ein Rennen in Österreich wird ohne „Venus”-Traber gestartet.

2004
Der austro-kanadische Millardär Frank Stronach, Besitzer vieler der größten Rennbahnen in den USA, baute mit dem Magna Racino in Ebreichsdorf eine kombinierte Galopp- und Trabrennbahn, die am 4.4.2004 eröffnet wurde. Nach hohen Verlusten in den ersten Saisonen stieg die Konzernmutter MEC aus, seit 2007 wird der Rennbetrieb teils privat finanziert.

2011
Der österreichische Derbysieger Striking Actions (v. Oaklea Bluejay) wird über Holland nach Frankreich verkauft und etabliert sich kurz in erster europäischer Garnitur. Bei einem Rekord von 1:10,1, gelaufen in Stockholm-Solvalla, stehen seine Gewinne bei fast 500.000 Euro, was ihn zum schnellsten und gewinnreichsten Traber Österreichs aller Zeiten macht.

2012
Die Zentrale für Traberzucht und -Rennen in Österreich unterzeichnet eine Kooperation mit der französischen Wettgesellschaft PMU, die ersten Rennen der Serie werden im März 2013 gelaufen. Zudem werden ab sofort Open-Air-Konzerte im Trabrennpark Krieau veranstaltet.

Die Rennbahn in der Krieau wird umgebaut und dem internationalen Standard von 1000 Metern angepasst (zuvor 1100 Meter). Weitaus schnellere Zeiten sind das Ergebnis.

2013
Die ersten zwei PMU-Renntage werden im März in der Krieau erfolgreich abgehalten.

Weitere vier Open-Air-Konzerte sind in der Krieau anberaumt (Bon Jovi, Die Ärzte, Green Day, Robbie Williams), der Erlös soll den Trabrennsport in Wien sichern.

2014
Zwei wichtige Komponenten zum Fortbestand der Wiener Krieau kristallisieren sich heraus:
– Die Renntage in Kooperation mit der französischen Wettorganisation PMU laufen zu beidseitig großer Zufriedenheit ab, sodass Dr. Peter Truzla, Vorsitzender der Zentrale für 
Traberzucht und Rennen in Österreich, für 2015 nicht weniger als 17 PMU-Renntage für Österreich fixieren konnte. Diese werden hauptsächlich in der Krieau abgehalten, aber auch die Rennbahnen Magna Racino und Baden werden mitpartizipieren.
– WTV-Präsident Anton Gáal gibt in einem Interview den Verkauf gewisser Flächen der Trabrennbahn bekannt, aus dem Erlös sollen Stallungen auf der Tribünenseite entstehen und die Veträge letztendlich den Fortbestand der Wiener Trabrennbahn auf Jahrzehnte sichern.

Zudem scheint es, als ob sich auch im Westen Österreichs einiges tut. In Wels ist Präsident Karl Moisl mit dem Verkauf der Rennbahn auf dem Messegelände Rosenau zugange, im Gegenzug entsteht an neuer Stelle eine nagelneu Rennbahn. Auch in Salzburg ist auf dem Gelände von Langzeit-Champion Gerhard Mayr eine Rennbahn in Aussicht gestellt.


Plan von aktiven Rennbahnen in Österreich





2013_04

© Nikolaus Matzka 2013–2018